Wirtschaft : Banken befürchten höhere Inflation

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Die Konjunktur in Deutschland und den übrigen zehn Euro-Ländern hat nach Feststellungen des Bundesverbandes deutscher Banken "wieder Tritt gefasst". Für die Bundesrepublik wird für dieses Jahr ein durchschnittlicher Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 2,75 Prozent nach plus 1,4 Prozent erwartet. Dabei würden die Impulse von den Exporten weiter zunehmen und voraussichtlich die dynamischste Komponente in diesem Jahr sein. Tragende Säule im Euro-Gebiet bleibe allerdings auch im Jahr 2000 die Binnennachfrage. Weniger positiv äußern sich die privaten Banken zum Arbeitsmarkt. Die Aussichten für den deutschen Arbeitsmarkt bleiben "in diesem Jahr vergleichsweise trüb", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Konjunkturbericht.

Die Banken erwarten, dass die Europäische Zentralbank noch im Frühjahr die Leitzinsen erhöhen wird. "Zum einen, um damit einer im Zuge der steigenden Inflationsrate womöglich aufkommenden Diskussion über die innere Stabilität des Euro wirkungsvoll entgegenzutreten", heißt es in der Begründung. "Zum anderen, um nach einer inzwischen als sehr wahrscheinlich geltenden Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank den Zinsabstand zwischen Dollar und Euro wieder etwas zu reduzieren." Ein weiterer Einfluss gehe von der Lohnpolitik aus. "Hohe Lohnabschlüsse würden die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale hervorrufen und die europäische Notenbank zu einem stärkeren Tritt auf das geldpolitische Bremspedal veranlassen."

Kritik üben die Banken an Lohnforderungen von 5,5 Prozent, die um rund drei Prozentpunkte über dem angenommenen Produktivitätszuwachs lägen. Auch wollten die Arbeitnehmervertreter wieder teure Vorruhestandsregelungen durchsetzen. Es "drängt sich der Verdacht auf, dass mit solchen Programmen ein beschäftigungspolitischer Aktionismus vorgeschützt wird, um sich an der Lösung der strukturellen Arbeitsmarktprobleme weiterhin vorbei mogeln zu können". Die Chancen, dass ein Durchbruch am Arbeitsmarkt gelinge, stünden nach wie vor schlecht. Auch die Verhandlungen im Bündnis für Arbeit hätten bislang keinen wirklichen Fortschritt gebracht.

Wie die Bundesregierung erwartet auch der Bankenverband für 2000 nur einen demographisch bedingten Rückgang der Arbeitslosigkeit um gut 200 000 Personen. So werde die Zahl derjenigen, die aus dem Berufsleben ausscheiden, die der Berufseinsteiger wie im vergangenen Jahr deutlich übersteigen. Die Beschäftigtenzahl werde daher nur in einer Größenordnung von 100 000 bis 150 000 Personen zunehmen. Angesichts der prognostizierten konjunkturellen Entwicklung und der Fortschritte, die andere EU-Staaten bei der Bekämpfung des Beschäftigungsproblems aufweisen, wäre dies ein sehr dürftiges Ergebnis.

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