Wirtschaft : Banken: Die Commerzbank hält nichts von Allfinanz-Konzernen

Der Vorstand der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, hat Bedenken gegenüber Allfinanz-Konzernen. "Ich bezweifle, dass es der Königsweg ist, wenn Banken Versicherungen kaufen oder umgekehrt. Die Geschäfte und Mentalitäten sind zu unterschiedlich", sagte Müller im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er glaube nicht, dass zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten die Investitionen für eine Übernahme rechtfertigten. Kooperationen, wie zwischen der Commerzbank und dem italienischen Versicherungskonzern Generali, seien aber für beide Partner von Vorteil.

Die Allianz hingegen, die kürzlich die Dresdner Bank übernommen hat, ist überzeugt davon, durch die Eingliederung der Bank in den Konzern den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. In Finanzkreisen wur de zuletzt spekuliert, Generali habe ihren Anteil an der Commerzbank aus ähnlichen Motiven von bislang 9,9 Prozent über Treuhänder auf 19 Prozent aufgestockt. Müller sieht darin allerdings keinen Sinn: "Eine Aufstockung der Beteiligung würde Generali keinen zusätzlichen Gewinn bringen. Selbst wenn jemand die Commerzbank kaufen sollte, wären die Generali-Verträge davon nicht betroffen."

Generali hat mit der Bank im vergangenen Jahr einen zehnjährigen Exklusivvertrag über die Vermittlung von Versicherungen abgeschlossen. Aus dieser Vertriebskooperation will die Commerzbank bis zum Jahr 2005 zusätzliche Erträge in Höhe von 140 Millionen Euro erzielen. Müller würde einen europäischen Zusammenschluss von Banken vorziehen. Grenzüberschreitende Bankfusionen, so meinte er, seien aber derzeit unmöglich, weil die aufsichtsrechtlichen und steuerlichen Hindernisse zu groß seien. Interesse äußerte Müller auch am öffentlich-rechtlichen Kreditsektor, dem nach dem Wegfall der staatlichen Garantien ein Umwälzungsprozess bevorsteht: "Ich würde gern eine Sparkasse kaufen." Das sei derzeit aber noch ein "Hoffnungswert".

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