Wirtschaft : Banken fit für den Euro

Umstellung 1999 möglich / Waigel bekräftigt pünktlichen Start

FRANKFURT (MAIN) / COLUMBIA(AP/rtr).Deutschlands Banken fühlen sich fit für den Euro.Der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB), Manfred Weber, sagte am Montag abend in Frankfurt, alle Institute seien technisch in der Lage, Geschäfte mit der neuen Währung ab dem 1.Januar 1999 für Privat- und Geschäftskunden anzubieten und abzuwiêkeln.Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes öffentlicher Banken Deutschlands (VöB), Bernd Lüthje, zeigte sich überzeugt, daß die Banken auch die EDV-Umstellung für das Jahr 2000 reibungslos schaffen.Unterdessen erklärte Bundesfinanzminister Theo Waigel er rechne unverändert mit einem pünktlichen Start der Währungsunion zum 1.Januar 1999.Der Euro werde pünktlich und zu den im Vertrag Kriterien eingeführt, sagte Waigel am Montag in Columbia im US-Bundesstaat South Carolina.Dabei werde die gemeinsame Währung so stark und stabil werden wie die D-Mark.Für den US-Dollar werde der Euro ein ernstzunehmender Wettbewerber sein, meinte Waigel. "Die deutschen Banken werden die Gewinner im Euroland sein", sagte Lüthje auf einer Diskussionsveranstaltung des Frankfurter Finanzforums.Er verwies auf das deutsche Universalbankensystem und die gut ausgebildeten Mitarbeiter.Weber betonte allerdings: "Der Wettbewerb wird härter." So verlören die deutschen Banken den D-Mark-Vorteil und müßten sich in der Währungsunion einem direkteren Vergleich mit der Konkurrenz aus den Nachbarländern stellen.Außerdem drängten ab 1999 verstärkt ausländische Banken in den deutschen Markt.Weber hält es deshalb für wahrscheinlich, daß es weitere Fusionen geben wird.Auch grenzüberschreitende Übernahmen seien zu erwarten.Fusionen seien aber nicht die einzige Antwort auf die Herausforderungen von Euro und Globalisierung.Kleine spezialisierte Institute hätten auch ihre Chancen.Lüthje hob hervor, der Vorteil der öffentlichen Banken (Sparkassen, Landesbanken) liege in ihrer regionalen Präsenz.Die Beratung vor Ort werde wichtiger.Weber prognostizierte einen zweigleisige Bankenzukunft: Junge Menschen würden zunehmend elektronische Vertriebswege wie den Computer nutzen, während Ältere verstärkt Wert auf individuelle Vermögensberatung legten. Der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Hankel kündigte am Dienstag an, gemeinsam mit drei Kollegen Anfang 1998 Verfassungsklage gegen den Euro einreichen zu wollen.Das Bundesverfassungsgericht habe sich bereits 1993 mit der Währungsunion befaßt und damals festgestellt, daß es eine Automatik von der D-Mark zum Euro nicht könne, sagte Hankel.Seiner Klage wollen sich Albrecht Schachtschneider von der Universität Hamburg, der Expräsident der Landszentralbank Hamburg, Wilhelm Nölling, und der Tübinger Ökonomieprofessor Joachim Starbatty anschließen. Bundesfinanzminister Waigel sagte in Columbia weiter, eine Kapitalerhöhung für den Internationalen Währungsfonds (IWF) als Reaktion auf die jüngste Krise an den asiatischen Finanzmärkten lehne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab.Es mache keinen Sinn über eine Quotenerhöhung zu sprechen, solange die Haltung des amerikanischen Parlaments und des Präsidenten dazu noch nicht bekannt sei.Zudem sei es sicherlich sinnvoller, die Hilfen für Asien an konkrete Bedingungen zu knüpfen als ihr Volumen zu erhöhen.IWF-Chef Michel Camdessus hatte einem Zeitungsbericht zufolge gefordert, das Kapital des Fonds angesichts der Asienkrise von derzeit 200 Mrd.um 160 Mrd.Dollar zu erhöhen.

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