Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Der Konzern wird nicht zerschlagen

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Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin hat am Mittwoch einstimmig ein Restrukturierungskonzept für den angeschlagenen Konzern gebilligt. Es sieht vor, dass der bisher mehrstufige Konzern aus rechtlich selbstständigen Banken zu einer Bank mit wenigen Tochtergesellschaften weiterentwickelt werden soll. Dafür wird eine private Rechtsform angestrebt. Das Konzept wurde unabhängig von der künftigen Eigentümerstruktur verabschiedet. Mit der Umsetzung des Konzepts solle sofort begonnen werden, so ein Teilnehmer.

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Die Krise der Bankgesellschaft Berlin Damit hat sich in dem Gremium die Auffassung von Berlins Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) durchgesetzt. Sie hatte bereits vor der Sitzung allen Plänen, den Konzern zu zerschlagen, eine Absage erteilt. Nachdrücklich hatte sie sich für ein geschlossenes Kreditinstitut ausgesprochen, mit einem Vorstand an der Spitze, und darunter gebündelt das Hypotheken-, das Retail- und das Kapitalmarktgeschäft.

Genau dieses sieht nun der Beschluss des Aufsichtsrates vor. Innerhalb der neuen Bank werden drei Säulen der Geschäftstätigkeit geschaffen. Das Retail-Geschäft, dass auf Kunden in Berlin und Brandenburg konzentriert werden soll. Die eingeführten Marken - im wesentlichen Sparkasse, Berliner Bank und Weberbank - werden beibehalten. Zweite Säule wird das Wholesale-Geschäft (Kapitalmarkt und Großkundengeschäft) sein. Im dritten Bein, den Gewerblichen Immobilien soll nur noch ein selektives Neugeschäft betrieben werden. Die Berlin Hyp soll sich künftig auf die Rolle der Spezialfinanzierung (Langfristfinanzierung) konzentrieren. Das Risikoportfolio sollen durch eine so genannte Workout-Organisation saniert werden.

Die IBAG konzentriert sich laut dem Beschluss schwerpunktmäßig auf das Kerngeschäft "Immobilien-Anlagen". Das Projektgeschäft wird zurückgenommen. Die Bank trennt sich mittelfristig von der IBG, in der nur noch Betreiberaktivittäten vorhanden sind.

Mit dem Beschluss sind die "Offerten" der NordLB und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zunächst vom Tisch. Diese wären darauf hinausgelaufen, dass die NordLB das Großkunden- und Kapitalmarktgeschäft der Landesbank übernimmt. Die Sparkassen ihrerseits hatten noch am Mittwochmittag angekündigt, "dass die Sparkassen-Finanzgruppe ein substanzielles Angebot für eine Gesamtlösung in Berlin unterbreiten wird". Hinter dieser Formulierung verbirgt sich offenbar ein konkretes Angebot für die Übernahme des Retailgeschäftes und damit der Berliner Sparkasse. Auch die Pläne des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Rupf, der eine reine Finanzholding an der Spitze des Konzerns vogesehen hatte, wurden nicht abgesegnet.

Offen bleibt nach wie vor, wer sich in welcher Höhe und Form an der notwendigen Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro beteiligt. Finanzsenatorin Kreajewski hatte vor der Sitzung erklärt, Sie hoffe aber, dass die bestehende Partnerschaft auf der Hauptversammlung am 29. August trage, wo über die Kapitalerhöhung zu beschließen sei.

Das Angebot der Nord/LB zu verstärkter Zusammenarbeit bis hin zur Fusion soll laut Krajewski genau geprüft werden. Das Interesse des Mehrheitsaktionärs Berlin gehe dahin, dass sich die zu 20 Prozent beteiligte Nord/LB an der beschlossenen Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro (3,9 Mrd. Mark) ebenso paritätisch beteiligt wie der zu 7,5 Prozent beteiligte Versicherungskonzern Parion. Damit sei "keine Entscheidung für eine Fusion oder für eine dichte Kooperation mit der Nord/LB vorweggenommen", wie Krajewski sagte.

Über ihre Beteiligung könnten alle Aktionäre danach innerhalb einer Zeichnungsfrist von vier Wochen entscheiden. Die NordLB hat angekündigt, sich "rechtzeitig" entscheiden zu wollen.

Ernüchternde Bilanz

Doch die Zeit wird knapp, denn die wirtschaftliche Situation des Instituts verschlechtert sich zusehens. Am Mittwoch legte die Bankgesellschaft sehr ernüchternde Halbjahreszahlen vor. Der Nettogewinn sank im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 48 Prozent und betrug nur noch 52 Millionen Euro. Grund seien ein schwaches Marktumfeld und die Aufarbeitung von Problemfeldern, wurde zur Begründung mitgeteilt. Ihren Zinsüberschluss hat die Bank zwar um 3,5 Prozent auf 898 Millionen Euro erhöht, vor allem aber wegen eines Sonderertrages von 150 Millionen Euro. Das Nettoergebnis aus Finanzgeschäften betrug minus fünf Millionen Euro gegenüber plus 49 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Verwaltungsaufwendungen stiegen um 4,9 Prozent auf 863 Millionen Euro, darunter die Personalaufwendungen um 2,3 Prozent. Die Risikovorsorge lag im Rahmen des anteiligen Planwertes von 156 Millionen Euro nach 212 Millionen Euro. Unterm Strich blieb ein Betriebsergebnis von 46 Millionen Euro, 74 Prozent weniger als im Vorjahr.

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