Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Kommentar: Kein Aufbruch nirgends

Daniel Rhee-Piening

Zum Thema Online Spezial:
Die Krise der Bankgesellschaft Berlin
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Das Restrukturierungskonzept der Bankgesellschaft Berlin Wenn es eng wird, verschanzt sich der Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf, gerne hinter Zahlen. Eine Taktik, die er nicht nur auf diversen Aufsichtsratssitzungen angewendet haben soll; auch auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag zündete der Bankchef ein Feuerwerk. Rupf, das muss man neidlos eingestehen, hat die Bilanzziffern im Kopf, kann die Zahlen zumindest nachträglich bis ins Detail erklären, und seine Aussagen mit Schaubildern und Charts verdeutlichen. Aber es liegt der Verdacht nahe, dass er sich bei aller Liebe zum Detail verzettelt und den Überblick verloren hat. Rupf hält seine alte Verteidigungslinie und erklärt, der Konzern sei mehr eine Gruppe von einzelnen Banken gewesen und die Konzernführung habe nicht früher eingreifen können. Der Chef bleibt dabei: Es waren die einzelnen Bankfürsten, die ihm Informationen vorenthalten haben und Kredite leichtfertig oder gar unverantwortlich vergeben haben. Doch es wäre Rupfs Aufgabe gewesen, den Konzern auf Linie zu bringen. Dies hat er jahrelang versäumt.

Antworten auf Fehlleistungen und Versäumnisse müssen jetzt Sonderprüfungen, parlamentarische Untersuchungsauschüsse und möglicherweise auch die Gerichte finden. Festzuhalten bleibt: Vier Milliarden Mark sind verloren, und Rupfs Glaubwürdigkeit ist erschüttert. Wie oft hat er in den vergangenen Jahren erklärt, nun seien alle Risiken aufgedeckt, es könne wieder aufwärts gehen? Warum sollte man ihm diese Aussage diesmal glauben, zumal die vorgelegten Zahlen für die ersten fünf Monate keine Euphorie auskommen lassen. Und Rupf gelingt es auch jetzt nicht, eine Vision aufzuzeigen. Sein Restrukturierungskonzept mag der Aufsichtsrat nur als Grundlage akzeptieren, die Öffentlichkeit verwirrt es, und im Konzern selbst löst er damit Ängste aus. Man mag Rupf damit entschuldigen, dass er als Sanierer geholt wurde, und dass schließlich alle seine Pläne allenfalls eine Grundlage für seine Nachfolger sind. Es mag auch ehrenwert sein, dass der Vorstandsvorsitzende auf der Hauptversammlung die Verantwortung übernehmen will. Aber nach dem 29. August braucht die Bankgesellschaft jemanden, der Aufbruchstimmung vermittelt.

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