Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Politik belastet den Konzern

Die von der Bankgesellschaft Berlin AG (BGB) ausgelöste politische Krise mit einem erwarteten Regierungswechsel in Berlin trifft das Institut zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Zwar wendet sich das öffentliche Interesse von dem angeschlagenen Bankhaus ab, doch dürften die politisch Verantwortlichen für die kommenden Monate eher mit sich als mit dem zu 56,62 Prozent in Landesbesitz stehenden Konzern befasst sein. Das wiederum wird für die Restrukturierung und die Suche nach finanzkräftigen Partnern für die Bank kaum förderlich sein.

Die Bereitschaft des Landes, den vom Bundesamt für das Kreditwesen ermittelten Bedarf an neuem Kapital von zwei Milliarden Euro zu garantieren, besteht aber weiter. Zumindest haben die Sozialdemokraten erklärt, sie würden im Berliner Abgeordnetenhaus für eine entsprechende Kreditermächtigung stimmen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Bank wirklich so viel frisches Kapital benötigt und wie viel das Land vom benötigten Kapital tatsächlich finanzieren muss. Erste Aufschlüsse darüber dürfte das Restrukturierungskonzept geben, das der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft am 24. Juni beraten und verabschieden will. In Aufsichtsratskreisen wird die Richtung schon vorgegeben: Vor allem soll das Institut die Risikoaktiva stark zurückfahren. Möglichst schnell solle es sich vom Immobiliengeschäft trennen und einen Partner für das gerade zurückgekaufte Fonds- und Projektgeschäft der IBAG suchen. Interessenten aus der Immobilienbranche, die den Geschäftszweig "für eine Mark" nehmen würden, gebe es. Allein die IBG/IBAG-Engagements mit ihren langjährigen Mietgarantien verlangen der Bank eine Risikovorsorge von einer Milliarden Euro ab.

Auch der gewerbliche Kreditbereich der BGB sei durch "strukturelle und personelle Schwächen gekennzeichnet", heißt es in Kreisen der Anteilseigner. Würde sich das Institut davon verabschieden, könnte es sich nicht nur auf die Gewinn bringenden Aktivitäten im Massengeschäft, dem privaten Vermögensanlage- und Hypothekengeschäft kümmern. Positiver Nebeneffekt wäre eine Reduzierung der Bilanz mit der Folge, dass die Bank weniger neues Eigenkapital benötigen würde, als zum Stichtag 31. Dezember 2000 mit zwei Milliarden Euro berechnet. Verkäufe würden das Eigenkapital schonen. Der Chef des Versicherungskonzerns Parion, Wolfgang Peiner, etwa will die Weberbank und die restlichen 50 Prozent der Fondsgesellschaft BB-Invest übernehmen.

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