Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Martina Ohm / Rolf Obertreis

Nach dem Bilanzskandal bei der Bankgesellschaft Berlin wird der Ruf nach einer stärkeren Kontrolle der Wirtschaftsprüfer in Deutschland lauter. Auch die 21-köpfige Regierungskommission, die sich seit rund einem Jahr mit Fragen der Unternehmensführung und -kontrolle befasst, setzte das Thema aus aktuellem Anlass am Donnerstag auf ihre Tagesordnung. Die regelmäßige Vernichtung von Milliarden-Steuergeldern verlangt eine Antwort auf die Frage, wie sich Fehlentwicklungen à la Bremer Vulkan, Holzmann, Flowtex oder Bankgesellschaft künftig vermeiden lassen.

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Sind Neuwahlen fällig? Nach den zahlreichen Skandalen in den 90er Jahren hatte der Gesetzgeber Konsequenzen gezogen. 1998 trat das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz (Kontrag) in Kraft, das die Aufsichtsräte stärker in die Pflicht nehmen sollte. Im vergangenen Jahr ging die Regierungskommission Corporate Governance an die Arbeit, um einen Code of Best Practice zu erarbeiten, in dem unter anderem Kriterien zur Unternehmenskontrolle aufgelistet werden sollen. Und seit Anfang des Jahres gilt die Novelle der Wirtschaftsprüferordnung (WPO) - zur Verbesserung von Qualität und internationaler Akzeptanz deutscher Abschlussprüfungen. Schwerpunkt dieses Gesetzes stellt das so genannte Peer-Review-Verfahren dar, das eine gegenseitige Qualitätskontrolle der Prüfer nach US-Vorbild vorsieht.

Doch offenbar reicht das nicht aus. Bei der Bankgesellschaft Berlin sind maßgeblich drei Wirtschaftsprüfer am Werke: Price Waterhouse Coopers (PWC) als Konzernabschlussprüfer, KPMG als Prüfer der Teilbanken Landesbank Berlin (LBB) und Berlin Hyp und die BDO Deutsche Warentreuhand als Prüfer bei der Immobilientochter. Und doch traten in kürzester Zeit erhebliche Bewertungsdifferenzen auf.

Karlheinz Küting, Chef des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes, fordert darum die Einrichtung einer neutralen Kontrollinstanz. Auch für Kritiker wie den Würzburger Betriebswirtschaftler Hansrudi Lenz hält die brancheninternen Kontrollen für nicht ausreichend. Auch Lenz plädiert einen übergeordneten Prüfer - in Form einer staatlichen Institution.

Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), hält es dagegen für voreilig, aus dem Fall Bankgesellschaft ein Scheitern des Peer-Review-Verfahrens abzuleiten und über Nachbesserungen nachzudenken. Zumal es ausreichend Kontrollstellen gibt: Die WPO-Novelle sieht zur Kontrolle der Kontrolleure neben der Wirtschafsprüferkammer und der dazugehörigen Kommission für Qualitätskontrolle auch noch den Qualitätskontrollbeirat vor. Von neuen Gremien oder staatliche Instanzen hält Klaus-Peter Naumann, Hauptgeschäftsführer beim Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW), deshalb nicht viel. Er fordert aber ein Panel nach britischem Vorbild, durch das Wirtschaftsprüfern und Bilanzierern gleichermaßen auf die Finger geschaut würde. "Dieses Panel untersucht Abschlüsse, deren Richtigkeit angezweifelt wird oder über deren Richtigkeit öffentlich, in den Medien, spekuliert wird," sagt Naumann.

Das wäre sinnvoll, denn das Peer-Review- Verfahren gibt nur Aufschluss über die Arbeit der Wirtschaftsprüfer. Ob aber die zuGrunde liegenden Zahlen und Angaben der Bilanzierer in Ordnung sind, kann so nicht geprüft werden. "Und auch nicht, ob die Ermessensspielräume bei Immobilienprojekten richtig erfasst sind", sagt Christoph Groß, Sprecher der Geschäftsführung der Beratungsgesellschaft Andersen. Auch Küting moniert das. In der Bilanzgestaltung sieht er einen neuralgischen Punkt. Fehltestate resultierten oft aus Fehlbewertungen von Immobilien, Rückstellungen und des Vorsorgebedarfs. Und noch einen Kritikpunkt trägt der Betriebswirt Küting vor: Viele Wirtschaftsprüfer arbeiten bei vielen Unternehmen zugleich als Berater. Das führe zu Abhängigkeiten. "Wer berät, prüft sich selbst", sagt Küting. Beides müsse getrennt werden. "Der bessere Prüfer ist der, der nicht auch noch berät." Andersen-Sprecher Groß hält dies für nicht notwendig. Wer Gefälligkeitstestate abliefere, schneide sich ins eigene Fleisch. Immer lauter wird derweil der Ruf nach regelmäßigen Prüferwechseln.

In der Branche selbst hält man davon wenig. "Das Problem wird dadurch eher noch größer", sagt Andersen-Sprecher Christoph Groß. Der Grund: Gerade bei größeren Unternehmen brauchen die Prüfer lange, bis sie einigermaßen durchblicken. Dadurch sind Fehler in der Anfangsphase programmiert. Bei KPMG wechselt man die eigenen Prüfer bei einem Unternehmen regelmäßig aus.

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