• Bankgesellschaft drückte sich um Verlustausweis Mit Bilanzkniff wurde misslungenes Aktiengeschäft verborgen

Wirtschaft : Bankgesellschaft drückte sich um Verlustausweis Mit Bilanzkniff wurde misslungenes Aktiengeschäft verborgen

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Von Ralf Schönball

Die Bankgesellschaft Berlin hat offenbar im vergangenen Jahr nur durch einen bilanztechnischen Kniff vermieden, einen hohen Verlust auszuweisen. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Haus einen Buchverlust aus einem misslungenen Wertpapiergeschäft in der Bilanz dadurch verborgen, dass die Spekulation im Anlagevermögen statt wie bei Banken üblich im Umlaufvermögen verbucht wurde.

Brisant ist die Angelegenheit, weil das Management der Bankgesellschaft unter Führung des neuen Vorstandsvorsitzenden Hans-Jörg Vetter die Verantwortung dafür trägt. Nach Informationen des Tagesspiegel kaufte die Bankgesellschaft nach dem 11. September des vergangenen Jahres auf den europäischen Aktienindex Eurostoxx basierende Investmentfonds für 1,6 Milliarden Euro. Die Bankgesellschaft bestreitet ein Investment in dieser Höhe. Sie habe seit 1998 in den Eurostoxx 50 investiert.

Nach Informationen des Tagesspiegel notierten die Fondsanteile zum Jahresende 2001 „286 Millionen Euro unter dem Buchwert“, wie die Wirtschaftsprüfer von Price Waterhouse Coopers in ihrem Prüfbericht zum Jahresabschluss feststellten. Die Prüfer baten um eine Erklärung, warum die Bank den Wertverlust nicht ausweise. Die Banker erklärten, sie werden die Verluste nicht abschreiben, weil „die Wertminderungen nicht dauerhaft sind“.

Damit lagen sie falsch. In diesem Jahr setzte sich der Kurseinbruch an den europäischen Börsen fort. Nach Angaben von Frank Bock, Experte beim Bundesverband deutscher Investment- und Vermögensverwaltungs-Gesellschaften e.V. (BVI), verloren die zehn Fonds, die sich am Eurostoxx-Index orientieren, im ersten Halbjahr 2002 rund ein weiteres Viertel ihres Werts. Hätte die Bankgesellschaft die Anteile Ende Juli dieses Jahres verkauft, hätte sie insgesamt einen Verlust von rund 600 Millionen Euro hinnehmen müssen.

Der Kniff, warum die Verluste bisher noch nicht aufgetaucht sind: Die Eurostoxx-Fondsanteile verbuchte das Geldhaus in seiner Bilanz unter dem Anlagevermögen. Das sei ungewöhnlich, sagen Banker. Denn laut Paragraf 340e des Handelsgesetzbuches (HGB) sind Wertpapiere – und dazu zählen Investmentfondsanteile – dem Umlaufvermögen zuzurechnen. Ausnahmen sind nur dann üblich, wenn die Anteile dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dienen. Zum Beispiel: Ins Anlagevermögen gehören eigene Immobilien oder auch Aktien von Tochterunternehmen.

Hätte sich die Bankgesellschaft an diese Regeln gehalten, hätte sie bereits im vergangenen Jahr statt einem Bilanzverlust von knapp 112 Millionen Euro rote Zahlen in Höhe von rund 400 Millionen Euro ausweisen müssen. Das hätte jedoch der Glaubwürdigkeit des neuen Bankmanagements geschadet. Denn der gerade erst angetretene Vorstandschef Hans-Jörg Vetter hatte dem Berliner Senat im Dezember 2001 versprochen, dass er nach der Übernahme der Altrisiken aus dem Immobiliengeschäft des Konzerns durch das Land Berlin wieder schwarze Zahlen schreiben würde.

Die Bankgesellschaft hat in einem Brief zu den Informationen dieser Zeitung Stellung genommen: Die Entscheidung, „keine Abschreibungen auf diese Position vorzunehmen, basierte zum einen auf externen Marktanalysen führender Investmenthäuser (...). Des weiteren wurde aufgrund des langfristigen Kursverlaufs des Eurostoxx sowie des langfristigen Anlagehorizonts zum Jahresabschluss 2001 keine dauerhafte Wertminderung gesehen". Vorschriften seien durch die bilanztechnische Behandlung des Pakets nicht verletzt worden.

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