Wirtschaft : Bankrotte nehmen zu: Pleitewelle trotz Aufschwung

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Trotz der relativ guten Konjunktur hält die Pleitewelle in Deutschland auch in diesem Jahr an und wird auch 2001 nicht abebben. Bis zum Jahresende wird es nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform rund 40 400 Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen geben, fast 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. 2001 sollen es rund 50 000 sein. Während sich die Zahl der Firmenpleiten mit einem Plus von etwa drei Prozent auf 27 500 in Grenzen hält, geraten immer mehr Verbraucher in Schwierigkeiten. Die Zahl der Insolvenzen dort steigt um mehr als das Dreifache auf 9000 und werde sich 2001 erneut verdoppeln. Immerhin gibt es nach Ansicht von Creditreform-Geschäftsführer Helmut Rödl auch eine positive Nachricht: Das Gründungsgeschehen entwickelt sich auch in diesem Jahr positiv mit einem Plus von 25 Prozent auf 175 000 Unternehmen.

Vor allem in Ostdeutschland zeigt sich Creditreform zufolge eine erfreuliche Entwicklung. Dort kletterte die Zahl der neuen Unternehmen nach Abzug der Löschungen um fast 50 Prozent auf 28 000. Das allerdings ist auch schon die einzige wirklich positive Nachricht, die Rödl am Donnerstag in Frankfurt verbreiten konnte. Die Zahl der Firmenpleiten ist nämlich wieder auf dem Niveau von 1997. Seit 1991 hat sie sich verdreifacht. Fast 500 000 Jobs gehen dadurch in diesem Jahr verloren, dem Staat entsteht ein Schaden von 53 Milliarden Mark.

Vor allem in Westdeutschland ist die Entwicklung mit einem Plus um 1000 auf 20 000 Firmenzusammenbrüche wenig erfreulich. Es ist das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit. Im Baugewerbe gibt es noch immer große Probleme, eine Besserung ist kaum absehbar. Holzmann sei noch längst nicht aus dem Schneider, und mit der Zahlungsunfähigkeit der Bast-Bau-Gruppe in Erkrath gebe es einen neuen gravierenden Fall. Betroffen seien rund 700 Beschäftigte bei Bastbau und rund 800 bis 1000 Subunternehmen mit etwa 4000 Arbeitnehmern.

Generell von Zusammenbrüchen bedroht sind nach Ansicht von Creditreform Mittelständler mit einem Umsatz zwischen einer und fünf Millionen Mark und mit bis zu fünf Mitarbeitern. Nach wie vor sind viele Betriebe mit zu wenig Eigenkapital ausgestattet: Fast 40 Prozent verfügen über eine Eigenkapitalquote im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme von nur zehn Prozent. Damit fehlt ihnen ein wichtiger Risikopuffer. Andererseits kümmern sich die privaten Banken Creditreform zufolge immer weniger um genau diese Firmen. Mit den neuen Eigenkapitalvorschriften für das Bankgeschäft würde die Lage für kapitalschwache Unternehmen noch schwieriger, weil sie dann höhere Zinsen zahlen müssten. Auch die Entwicklung der Verbraucherkonkurse betrachtet Rödl mit Sorgen. Bei rund 2,6 Millionen überschuldeten Haushalten werde sich das Problem noch verschärfen. Die immer noch hohe Arbeitslosigkeit, die unkontrollierte Nutzung von Kreditkarten und der Einkauf über die mittlerweile 140 Anbieter im Internet sieht Rödl als Hauptursache. Das Anfang 1999 in Kraft getretene neue Insolvenzrecht hat bislang nach Einschätzung Rödls kaum geholfen. Im privaten Bereich sei das gesamte Verfahren zu kompliziert. "Wir brauchen eine Reform der Reform des Insolvenzrechtes", fordert Rödl.

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