Wirtschaft : Bargeld lacht – aber nicht mehr in Griechenland Athener Regierung bekämpft Schattenwirtschaft

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Athen - Mal eben einen Porsche kaufen und dem Gebrauchtwagenhändler 50 000 Euro in bar auf den Tisch blättern? Bisher waren solche Geschäfte in Griechenland nicht unüblich. Aber seit dem 1. Januar lacht Bargeld nicht mehr: Zahlungen von mehr als 1500 Euro müssen per Kreditkarte, Bankscheck oder Überweisung ausgeführt werden. Mit der neuen Regelung hofft die Athener Regierung die Schattenwirtschaft zu bekämpfen. Steuerhinterziehern drohen künftig drakonische Strafen: Sie sollen vor den Schnellrichter kommen.

Die Parallelwirtschaft ist eine der Ursachen für die Schuldenkrise des Landes. Nach Schätzungen internationaler Institutionen wie der Weltbank, der OECD und der Organisation Transparency International belief sich die Schattenwirtschaft in Griechenland im vergangenen Jahr auf bis zu 88 Milliarden Euro. Das wären fast 38 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: In Deutschland wird die Quote auf etwa 15 Prozent geschätzt. Durch die Schattenwirtschaft entgehen dem griechischen Finanzminister Steuereinnahmen von rund 30 Milliarden Euro. Wenn alle Griechen ehrlich ihre Steuern zahlten, gäbe es im Staatshaushalt sogar einen Überschuss. Welches Ausmaß die Steuerhinterziehung hat, zeigte sich gerade in diesen Tagen: Am 1. und 2. Januar überprüfte die Behörde für die Verfolgung von Finanzverbrechen (SDOE) in Athen 130 Unternehmen. Bei 69 wurden Steuervergehen festgestellt. Auch zehn von 18 überprüften Vergnügungslokalen hätten ihren Gästen nicht die vorgeschriebenen Quittungen ausgestellt, berichtete Giannis Kapeleris, der Chef der Steuerfahnder.

Besondere Kopfschmerzen bereitet der Regierung die Praxis vieler Geschäftsleute, ihren Kunden zwar Mehrwertsteuer zu berechnen, sie aber in die eigene Tasche zu stecken statt ans Finanzamt abzuführen. Finanzbeamte schätzen, dass in Griechenland etwa 30 Prozent des Mehrwertsteueraufkommens hinterzogen werden. Geschätzter Schaden für den Fiskus: rund fünf Milliarden Euro im Jahr.

„Wir werden die Strafen deutlich verschärfen“, kündigte jetzt Dimitris Georgakopoulos an, der zuständige Generalsekretär im Finanzministerium. Mehrwertsteuerhinterziehung werde künftig wie Diebstahl geahndet: Wer auf frischer Tat ertappt wird, kommt vor einen Schnellrichter und wird innerhalb von 24 Stunden verurteilt. Die im neuen Steuergesetz geplante Strafe sieht vier Monate Haft für Steuersünder vor. Gerd Höhler

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