Wirtschaft : Bass-Brauerei: EU mischt sich in Streit um das britische Unternehmen ein

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Die EU-Kommission hat sich in den Wettbewerbsstreit um den Verkauf des britischen Großbrauers Bass eingeschaltet. Wenn ein neuer Käufer statt der belgischen Interbrew-Gruppe das Unternehmen übernehmen wolle, werde Brüssel dies möglicherweise prüfen, erklärte eine Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti am Donnerstag in Brüssel auf Anfrage.

Völlig unerwartet hatte die britische Regierung am Mittwoch die geplante Übernahme der Bass-Brauerei durch die belgische Interbrew blockiert, da nach ihrer Meinung der Zusammenschluss gegen das "öffentliche Interesse" verstoße. Die EU-Kommission hatte die Prüfung des Falles im Juni vergangenen Jahres an die britischen Behörden übergeben.

Einen Tag nach der Entscheidung machte Interbrew-Vorstandschef Hugo Powell aus seiner Entrüstung keinen Hehl. Die Blockade der Übernahme von Bass widerspreche "jeglicher Logik", sagte Powell: "Das Fusionsprojekt hatte schließlich die breite Zustimmung der Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Kunden." Im Juni hatte Interbrew den zweitgrößten Bierkonzern Großbritanniens für 2,3 Milliarden Pfund (3,9 Milliarden Euro) übernommen. Damit wurden die Belgier zum größten Bierbrauer Europas und rangieren weltweit auf dem zweiten Platz.

Die nötigen Mittel für die Übernahme der Bass Brewers verschaffte sich das belgische Unternehmen durch die Notierung an der Brüsseler Euronext-Börse im Dezember 2000. Einwände von Analysten, ob es nicht besser sei, mit dem Börsengang bis nach der Entscheidung aus London zu warten, hatte Hugo Powell damals beiseite gewischt und von "relativ kleinen Problemen" sowie "vollstem Vertrauen" in die britischen Kartellbehörden gesprochen.

Tatsächlich hat der jetzt von London angeordnete Zwangsverkauf von Bass auch die Fachpresse überrascht. Denn der britische Konkurrent Scottisch & Newcastle verfügt auf der Insel auch über einen Marktanteil von 28 Prozent - ohne bisher nennenswerte Probleme mit den Kartellbehörden gehabt zu haben. Den nun angeordneten Verkauf von Bass werteten Analysten in ersten Reaktionen als "diskriminierend" und "protektionistisch".

Doch in der heimischen Presse ist das Mitleid mit Interbrew, das mit seinen bekannten Marken wie "Stella Artois" oder "Leffe" gar 56 Prozent des belgischen Biermarktes kontrolliert, begrenzt. 1997 hatte London schließlich schon einmal eine Übernahme von Bass durch den Bierbrauer Carlsberg untersagt. Aber nicht nur der voreilige Börsengang, sondern auch die mangelnde Absicherung bei der Übernahme wird Interbrew nun vorgeworfen. Normalerweise beinhaltet ein Kaufvertrag die Klausel, dass dieser nur bei Zustimmung der Kartellbehörden wirksam werde. Auf Drängen von Bass hatte Interbrew auf eine derartige Klausel verzichtet. Von "Naivität" und "Selbsteingenommenheit" schreibt die Wirtschaftszeitung "De Financieel-Economische Tijd": "Das Katastrophenszenario eines Zwangsverkaufs von Bass hatte Interbrew offenbar nicht einmal erwogen."

An Kaufinteressenten für Bass dürfte es nicht mangeln: Sowohl die Konkurrenten Heineken und Carlsberg als auch die South African Breweries haben Interesse signalisiert. Zweifelhaft ist jedoch, ob Interbrew den Preis von 2,3 Milliarden Pfund erzielen kann, die das Unternehmen für Bass gezahlt hat. Carlsberg hält beispielsweise 1,5 Milliarden Pfund für einen "fairen Preis". Branchenkenner gehen deshalb auch davon aus, dass die Brauerei allenfalls für rund 1,8 Milliarden Pfund erneut ihren Besitzer wechseln könnte.

Angesichts des drohenden Milliardenverlusts hat der Kurs von Interbrew an der Euronext inzwischen mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Interbrew werde die Entscheidung keineswegs einfach hinnehmen, sondern lote alle Möglichkeiten für Gegenmaßnahmen aus, lässt das Unternehmen verlauten. Doch zweifelhaft ist, ob der Konzern den Schiedsspruch aus London rückgängig machen kann: Es scheint, als habe sich die übernahmedurstige Interbrew an Bass verschluckt.

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