Wirtschaft : Bayer: Der Konzern stolpert über die Pharma-Sparte

Maren Peters

Jetzt hat es also auch Bayer erwischt. Schon in der vergangenen Woche, als der Chemiekonzern BASF eine Gewinnwarnung für das zweite Quartal herausgegeben hatte, kündigten die Leverkusener eine Neuauflage der eigenen Prognose an. Spätestens da begannen die Spekulationen darüber, dass auch der Mischkonzern gezwungen sein könnte, nachzuziehen. So kam es denn auch. Trotzdem liegt die Sache bei Bayer etwas anders als bei der BASF. Die ist seit dem Verkauf der Pharma-Tochter Knoll an Abbott ein reiner Chemiekonzern - und damit in hohem Maße von der Konjunktur abhängig. Bayer dagegen setzt weiterhin auf mehrere Standbeine - neben Chemie auch noch Polymere, also Kunststoffe, Agrochemie und Pharma - das kann die Folgen einer schwachen Konjunktur durchaus dämpfen. Bayer hat ein anderes Problem. Natürlich treffen auch die Leverkusener im umsatzstärksten Gebiet Polymere die nachlassende US-Konjunktur und eine abgeschwächte Nachfrage in Europa und Asien - zumal unerwartet hohe Rohstoffkosten hinzukommen. Der eigentliche Stolperstein des Konzerns ist aber nicht die Konjunktur, sondern die eigene Pharma-Sparte. Die Zwangstillegung der Produktion des Bluter-Medikamentes Kogenate offenbart eine erschreckend hohe Abhängigkeit von einem einzigen Medikament. Nach der Stillegung der Produktion hatte Bayer seine Ergebnis-Erwartungen für das laufende Jahr um 300 Millionen Euro heruntergeschraubt. Kritisch ist nicht, dass die US-Gesundheitsbehörde interveniert hat - das kann passieren. Viel schlimmer wiegt, dass Bayer offensichtlich nicht in der Lage ist, den Ausfall eines einzigen Medikaments durch Umsätze anderer Produkte zu kompensieren. Das lässt Schlimmes ahnen. Es wäre nicht überraschend, wenn der Konzern seine Gewinnprognose in diesem Jahr noch ein weiteres Mal senken müsste.

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