Wirtschaft : Bayer: Flaute belastet auch den Pharmakonzern

Wenige Tage nach den Gewinnwarnungen der beiden Pharmakonzerne BASF und Merck in den USA hat auch Bayer am Mittwoch seine Gewinnprognose gesenkt. Man gehe nun nicht zuletzt auf Grund der konjunkturellen Schwäche von einem Ergebnisrückgang im laufenden Jahr aus. Auch EU-Währungskommissar Pedro Solbes rückte am Mittwoch von seiner Prognose von 2,8 Prozent für den Euro-Raum ab: "Wir sind gezwungen, die Dinge pessimistischer zu sehen. 2,5 Prozent ist wohl ein realistischer Ansatz."

Der Bayer-Aktienkurs fiel nach der Gewinnwarnung zunächst um gut ein Prozent auf 42,60 Euro und lag damit nahe dem Jahrestief. Später erholte sich die Aktie wieder. Der Konzern hatte bereits vor einigen Tagen eine aktualisierte Gewinnvorhersage angekündigt, aber offen gelassen, ob diese geringer ausfallen wird als bisher. Es werde ein operatives Ergebnis vor Sonderposten in der Größenordnung von drei Milliarden Euro erwartet, heißt es jetzt in einer Pflichtmitteilung des Konzerns. Grund für die Rücknahme sei neben der Konjunkturschwäche auch ein Ergebniseinbruch bei dem Blutgerinnungspräparat Kogenate. Auch die Rohstoffkosten seien nicht im erwarteten Ausmaß gesunken. Die nachlassende Wachstumdynamik beeinflusse vor allem das Geschäft des Arbeitsgebiets Polymere. Auf Grund der schwachen Mengenkonjunktur könnten die hohen Kosten für Rohstoffe nicht ausreichend in den Verkaufspreisen weitergegeben werden.

Neben Bayer hatten in der vergangenen Woche bereits der deutsche Wettbewerber BASF und der US-Konkurrent Merck & Co. Gewinnwarnungen ausgegeben. BASF als größter Chemiekonzern in Europa hatte am Donnerstag mitgeteilt, im laufenden Quartal entgegen den früheren Prognosen keinen Ergebnisanstieg mehr zu erwarten, und die Schließung von Standorten angekündigt. Begründet hatte BASF dies ebenfalls mit geringeren Wachstumsraten in den USA, in Europa und auch in Deutschland. Merck hatte am Freitag die Rücknahme seiner Prognosen mit geringer als geplanten Erlösen bei einem Medikament und mit negativen Wechselkurseffekten begründet.Die anhaltende Konjunkturflaute hat die EU-Kommission unterdessen zu einer neuen Revision ihrer diesjährigen Wachstumsprognose von 2,8 Prozent nach unten veranlasst. 2,5 Prozent sei ein realistischer Ansatz, sagte Währungskommissar Pedro Solbes. Mit Blick auf die April-Prognose der Kommission für den Euro-Raum, erklärt er: "Heute sieht es anders aus." Vorher hatte die Kommission mit 3,2 Prozent Wachstum für 2001 gerechnet.

Dass sich das Wachstum nicht allein in Deutschland, sondern auch in anderen Euro-Ländern merklich abkühlt, haben auch die Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in ihrem neuen Wochenbericht berechnet. Darin meldete das DIW am Mittwoch für den gesamten Euro-Raum eine auf zwei Prozent abgeschwächte Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal. Es wird erwartet, dass das Wachstum noch weiter an Tempo verlieren wird. Die Wissenschaftler warnen daher davor, mit einem starren Festhalten am EU-Stabilitätsprogramm die Konjunktur zusätzlich zu schwächen.

Für den Mangel an Dynamik macht das DIW zum einen den beschleunigten Preisauftrieb auf Grund der gestiegenen Ölpreise, der Folgen der Tierseuchen sowie der weiteren Euro-Abwertung verantwortlich, der den privaten Haushalten Kaufkraft entzogen und die Investitionsneigung gehemmt habe. So hätten die Steuersenkungen, insbesondere in Deutschland, nicht den erwarteten kräftigen Schub beim privaten Konsum ausgelöst. Als weitere Bremse wurde die US-Konjunkturschwäche genannt, die zunehmend Europa belaste. Von der Auslandsnachfrage erwartet das Institut für den Rest des Jahres keine Wachstumsimpulse.

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