Wirtschaft : Bayer glänzt mit Medikamenten

Doch die Pflanzenschutzsparte lahmt, und die Integration von Schering wird teuer – der Aktienkurs sinkt

Maren Peters

Berlin - Schering-Käufer Bayer hat dank guter Geschäfte in seiner Gesundheitssparte Healthcare Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert. Enttäuschend fielen dagegen die Zahlen für die Pflanzenschutzsparte Crop Science aus, wie Bayer bei der Vorlage der Quartalsbilanz am Dienstag in Leverkusen bekannt gab. Das bleibt nicht ohne Folgen: Der Pharma- und Chemiekonzern will in dieser Sparte ab 2009 jährlich 300 Millionen Euro einsparen – unter anderem durch Streichung von 1500 der knapp 19 000 Stellen. Das werde überwiegend Nordamerika, aber auch Deutschland betreffen, hieß es gestern im Konzern.

Bei Crop Science droht zudem Ärger aus den USA: Reisbauern haben bei einem Bezirksgericht in Little Rock/Arkansas jetzt Klage gegen Bayer eingereicht. Sie werfen dem Konzern vor, nicht verhindert zu haben, dass gentechnisch veränderter Reis in die Nahrungsmittelkette gelangt ist. Der Bayer-Reis ist zum Verbrauch nicht zugelassen.

Bayer ist gerade dabei, den Berliner Pharmakonzern Schering zu übernehmen (siehe Kasten). Die Gesundheitssparten beider Konzerne sollen künftig unter dem Namen Bayer Schering Pharma AG mit Sitz in Berlin fortgeführt werden. Vorstandschef des fusionierten Unternehmens wird der jetzige Bayer Healthcare-Chef Arthur Higgins, Schering-Chef Hubertus Erlen wechselt als Stellvertreter in den Aufsichtsrat. Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann erwartet, dass erst im Laufe des September zumindest Teilentscheidungen über Standortfragen und einen Arbeitsplatzabbau bekannt gegeben werden. „Es ist nach wie vor unklar, wie viel Berlin beitragen wird“, sagte er dem Tagesspiegel.

Im zweiten Quartal steigerte Bayer den Umsatz um 5,8 Prozent auf rund 7,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) stieg aus Sicht der Analysten überraschend deutlich um 14 Prozent auf 928 Millionen Euro. In diesen Zahlen ist Schering bereits anteilig für die letzte Juni-Woche berücksichtigt, denn ab dem 23. Juni verfügte Bayer über die notwendige Aktien-Mehrheit. Nicht enthalten ist dagegen die Diagnostik-Sparte, die Bayer vor kurzem an Siemens verkauft hat. In der Pflanzenschutzsparte lief es schlechter: Der Umsatz ging im zweiten Quartal um 1,6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zurück. Bayer begründete das mit einem schwierigen Marktumfeld.

Konzern-Chef Werner Wenning nannte gestern erstmals Details zu den Folgen der Schering-Übernahme für die Bilanz. Demnach werden die Berliner im zweiten Halbjahr rund 600 Millionen Euro zum Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen beitragen. Die Kosten für die Integration des Pharmakonzerns bezifferten die Leverkusener mit 100 Millionen Euro für das Gesamtjahr.

Die Bayer-Aktie gab ihre anfänglichen Kursgewinne im Laufe des Tages wieder ab und notierte am Ende mit 0,7 Prozent im Minus. Nach Meinung einzelner Analysten fehlte die Perspektive, wie es mit Bayer und Schering zusammen künftig weitergehen wird.

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