Wirtschaft : Bayer investiert Milliarden in der Volksrepublik China

Die Bayer AG rechnet wegen der schlechten Weltkonjunktur und der Terroranschläge in den USA mit starken Geschäftseinbrüchen. Eine Erholung der Weltwirtschaft sei nicht so schnell in Sicht. Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern plant dessen ungeachtet Investitionen in China von 3,4 Milliarden US-Dollar bis 2008. Der Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider, der den Kanzler auf seiner Asienreise begleitet, zeichnete am Mittwoch in Peking ein düsteres Bild der Gesamtlage. "Wir müssen davon ausgehen, dass das vierte Quartal eines der schwächsten Quartale seit vielen, vielen Jahren werden wird." Auch das dritte Quartal werde deutlich schlechter als das zweite. Eine Erholung erwarte er frühestens Ende des kommenden Jahres.

Hauptpunkt für Bayer war aber am Mittwoch die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens für Investitionen von 3,1 Milliarden US-Dollar in den Chemiestandort Caojing bei Schanghai. Es ist eine der größten Investitionen deutscher Unternehmen in China. Bis 2005 will Bayer seinen Umsatz in der Großchina genannten Region mit der Volksrepublik, Hongkong und Taiwan verdoppeln. Der Umsatz lag 2000 bei rund einer Milliarde US-Dollar. Von Caojing will Bayer den chinesischen Markt beliefern, aber auch exportieren. Es ist die erste Bayer-Anlage in China, die Weltmaßstäbe annehmen wird. Im China-Geschäft kann Bayer auf Erfahrungen mit bislang zehn Gemeinschaftsunternehmen und zwei eigenen Firmen zurückgreifen. Als Pluspunkt gilt außerdem das starke Wirtschaftswachstum. Zu den weltweiten Konjunkturproblemen sagte Schneider, das laufende Jahr sei für alle Chemieunternehmen enttäuschend verlaufen. Nirgendwo sei der Optimismus zu sehen, den die Politik so gerne zitiere. "2002 wird ein weiteres schwieriges Jahr für die deutsche Chemie werden", betonte Schneider. "Wenn es zu einer Erholung kommt, sicher nicht im ersten Halbjahr kommenden Jahres, sondern frühestens im vierten Quartal." Vor allem der nordamerikanische Markt, wo die Leverkusener 40 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften, sei am schwierigsten einzuschätzen. Es gebe allgemein zwar positive Zeichen wie der niedrige Ölpreis, das tiefe Zinsniveau und die relativ geringen Inflationsraten. "Das alles reicht aber nicht aus, um die fehlende Nachfrage zu beleben."

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