Wirtschaft : Bayer: Übernahme von Crop Science für 7,25 Milliarden Euro

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Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat die größte Übernahme in seiner mehr als 100-jährigen Firmengeschichte perfekt gemacht. Für 7,25 Milliarden Euro kauft der Leverkusener Konzern das Agrochemieunternehmen Aventis Crop Science und rückt damit an die Weltspitze im Pflanzenschutzgeschäft vor. Das teilte Bayer-Vorstandschef Manfred Schneider in der Konzernzentrale in Leverkusen mit. Das Unternehmen ist damit dem Weltmarktführer Syngenta dicht auf den Fersen. Nachdem Bayer in den vergangenen Wochen vor allem mit den negativen Auswirkungen des Lipobay-Skandals zu kämpfen hatte, bezeichnete Schneider den Kauf von Crop Science als zweiten gravierenden, aber positiven Einschnitt in der Firmengeschichte.

Von den 7,25 Milliarden Euro, in denen auch Schulden in Höhe von 1,9 Milliarden Euro enthalten sind, gehen 1,5 Milliarden an die Berliner Schering AG, die bisher 24 Prozent an Crop Science hält. Der Großteil des Kaufpreises wandert jedoch an den deutsch-französischen Aventis-Konzern, der mit dem Verkauf seine vierte Position im weltweiten Agrochemiemarkt aufgibt.

Bayer hingegen werde durch Crop Science den Umsatz im Kerngeschäft Pflanzenschutz (Insektizide, Fungizide, Herbizide) deutlich stärken, kündigte Schneider an. Mit den summierten Einnahmen von rund sieben Milliarden Euro im laufenden Jahr lässt Bayer Konkurrenten wie Monsanto, Du Pont oder BASF deutlich hinter sich. Um die Übernahme zu erleichtern, soll die Agrarsparte von Bayer mit Crop Science in ein rechtlich selbstständiges Unternehmen mit Namen Bayer Crop Science ausgegliedert werden. "Wir wollen eine völlig neue Gesellschaft mit eigener Struktur und eigenem Management gründen", sagte Schneider. Der Firmensitz werde Monheim (Rhein) sein, die Standorte Frankfurt (Main) und Lyon sollen nach wie vor tragende Säulen im neuen Unternehmen bleiben.

Mit der Akquisition, die ausschließlich fremdfinanziert wird, kündigte der Vorstand gleichzeitig Schritte an, die Ausgaben im Konzern zu reduzieren. "Wir können uns im Moment keine weiteren größeren Übernahmen leisten", sagte Schneiders designierter Nachfolger und Finanzvorstand, Werner Wenning. Im kommenden Jahr werde sich die Nettoverschuldung von Bayer auf circa 15 Milliarden Euro erhöhen, im ersten Halbjahr 2001 betrug sie noch 7,8 Milliarden Euro. Weiterhin will Bayer bedingt durch die Übernahme zusätzliche Stellen streichen. 4000 Arbeitsplätze würden verloren gehen, sagte Wenning. Dies seien 15 bis 18 Prozent der Beschäftigten der beiden zusammengeführten Unternehmen. Als Folge der Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay würden im Pharmabereich noch einmal 1250 Stellen wegfallen. Auch weitere Spartenverkäufe schloss er nicht aus.

Vorstandschef Schneider sagte, schon im Jahr 2004 werde Bayer Crop Science Gewinne erwirtschaften. Ein Jahr später erwartet der Vorstandschef dann eine Steigerung des Umsatzes auf mehr als acht Milliarden Euro mit einer Umsatzrendite von 20 Prozent. Schneider geht von einen jährlichen Umsatzanstieg von 4,5 Prozent und damit doppeltem Marktwachstum aus.

Gegen kartellrechtliche Bedenken, die die Übernahme von Crop Science gefährden könnten, sieht Schneider sich gut gewappnet. Die Genehmigung durch die Behörden erwartet er spätestens gegen Ende des ersten Quartals 2002. Die Gründung von Bayer Crop Science ist zum 1. April 2002 geplant.

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