Wirtschaft : „Beckenbauer sollte toleranter sein“ Hyundai-Chef Engels zur Kritik in Deutschland

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Herr Engels, welches Auto fahren Sie?

Ein OffroadFahrzeug, den Terracan von Hyundai. Der kann einen 3,5-Tonnen- Anhänger ohne Mühe ziehen, er ist ein echtes Arbeitstier mit 163 PS. Zwei Pferde hinten dran sind kein Problem.

Der deutsche Chef der WM 2006, Franz Beckenbauer, ist eher Golf-Fan.

Herr Beckenbauer soll sich aus unserer Palette von 13 Modellen einfach einen Wagen aussuchen, den XG 350 etwa, unsere Luxus-Limousine. Also, gehen Sie mal davon aus, dass der Weltverband schon etwas finden wird im WM-Fuhrpark. Wir stellen der Fifa ja fast 1000 Autos hin.

Und damit die Chefs der Fifa während der WM ausschließlich mit ihren Fahrzeugen fahren, zahlen Sie 45 Millionen Euro?

Nur so viel dazu: Das Engagement des Herstellers Hyundai liegt weit höher, inklusive Marketing natürlich.

Also 100 Millionen Euro, wie bei der Deutschen Telekom.

So in etwa, ja. Wir reden von einem dreistelligen Millionen-Betrag.

Was erhoffen Sie sich davon?

Wir wollen unser Image ausbauen. Sportlich und dynamisch, frisch und frech – das sollen die Fans mit uns verbinden. Wir sind nicht die Bekanntesten in Deutschland, aber wir haben gute Wachstumszahlen und wollen zu den größten Fünf der Welt aufsteigen. Und dass die WM im Autoland Nummer eins stattfindet, verschafft uns einen weiteren Kick.

Die WM wird in Deutschland ausgetragen. Aber das Bier kommt aus den USA, die Autos aus Korea …

Ich kenne diese Diskussion, und ich finde sie merkwürdig. Mercedes-Benz soll sich nicht so laut ärgern, die hatten schließlich auch die Chance, die Rechte zu kaufen, aber sie haben sie verpasst.

Herr Engels, Sie klingen verärgert.

Nein, verwundert. Was soll der Populismus? Es soll mir bitte niemand erzählen, dass ein Hersteller sein Auto komplett in einem Land bauen lässt. Außerdem ist das eine Weltmeisterschaft, also sind auch die Partner global tätig. Zudem möchte ich mal anmerken, dass auch wir Arbeitsplätze in diesem Land schaffen. Wir werden bis zur WM unser Verkaufsnetz erweitern. Wir führen mit Händlern von Audi, Opel und Mercedes Gespräche. Wir stehen in Kooperation mit 540 Händlern, zur WM werden es fast hundert mehr sein.

Aber wie soll die deutsche Nationalmannschaft zu den Spielen reisen. Im Kleinwagen? Hyundai hat keine Busse in Europa.

Richtig, aber wir haben Partner. Scania, Volvo, die haben Interesse. Aber wie es aussieht, wird die Nationalmannschaft zur WM wohl ihren Bus nutzen können.

Mit dem Stern am Kühlergrill?

Nun, auf dem Bus wird sehr groß und sehr deutlich unser Name zu sehen sein.

Sogar Franz Beckenbauer stimmt es „nachdenklich, wenn in Deutschland eine WM stattfindet und du trinkst amerikanisches Bier und steigst in ein koreanisches Auto“.

Ich würde mich freuen, wenn sich Herr Beckenbauer in Zukunft toleranter ausdrückt. Wir sind Partner. Ich habe neulich auch einen Brief an einen Politiker geschrieben, der sich ähnlich ausgedrückt hatte. Es kann nicht sein, dass Hyundai-Kunden von Ministern diskriminiert werden, weil sie ein koreanisches Auto fahren. Wo leben wir? Doch bitte in einem Wirtschaftsland, das global agiert.

Sie meinen Wirtschaftsminister Clement.

Namen sind egal, es kam ein sehr netter Brief zurück. Das Thema ist vom Tisch. Wir spielen in der Lotterie mit, die anderen nicht. Also bitte, hören wir auf zu nörgeln, sondern freuen wir uns, auch die deutsche Wirtschaft wird von der WM profitieren, ja, das ganze Land.

Was stellen Sie her zur WM?

Es wird Sondermodelle geben, aber nicht in den 32 Landesfarben. Wir wollen die Kunden ja mit knallbunten Autos nicht verscheuchen. Es wird eine „06“er-Reihe geben, das passt zur WM. Auf dem Heck ist der Schriftzug „Team 06“ zu sehen und ein Fußballer, der einen Fallrückzieher macht. 8000 Fahrzeuge werden wir anbieten und sie im Frühjahr präsentieren.

Das Gespräch führte André Görke.

Karl-Heinz Engels ,62, ist Deutschland- Chef von Hyundai.

Das Unternehmen sitzt in Neckarsulm. Bis 1988 war er Marketingleiter bei Porsche und bis 1999

bei Toyota.

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