Wirtschaft : Bedenken bekräftigt / Arbeitgeberpräsident wirft IG Metall Realitätsferne vor

Vor dem Expertengespräch am Mittwoch in Berlin hat der Verband der Deutschen Rentenversicherungsträger (VDR) seine Bedenken gegen die Rente mit 60 Jahren bekräftigt. VDR-Direktor Franz Ruland bezweifelte im ZDF-Wirtschaftsmagazin "Wiso" vor allem, dass damit Arbeitsplätze geschaffen werden können. "Wenn wir diesen Schritt tun würden und auch die entsprechenden Mittel einsetzen bei einem entsprechenden Arbeitsmarkteffekt, da könnte man ja noch darüber reden. Aber ich glaube, dass der Effekt auf der einen Seite und die Kosten auf der anderen Seite in einem hohen Missverständnis stehen." Am Mittwoch soll eine Expertengruppe von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) und Vertretern der Rentenversicherer die finanziellen Auswirkungen des IG-Metall-Modells für eine Rente mit 60 prüfen.

Ruland erinnerte daran, dass Anfang der neunziger Jahre für sieben Beschäftigte, die in den Vorruhestand gegangen seien, nur ein Arbeitnehmer eingestellt worden sei. Der VDR geht nicht davon aus, dass eine erneute Frühverrentung erfolgreicher wäre. "Die Politik muss sehen, ob sie bereit ist, für einen relativ begrenzten arbeitsmarktpolitischen Effekt eine entsprechende Vorfinanzierung der Renten zu leisten, die natürlich auch eine Beitragssatzsteigerung zur Folge hätte", sagte Ruland. Nach Berechnungen des VDR würde die Rente mit 60 die Kassen im Jahr mit bis zu 7,5 Milliarden Mark belasten. Um dies zu finanzieren, müsste der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung von heute 19,5 Prozent auf 19,9 Prozent erhöht werden.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warf der IG Metall unterdessen vor, die Umsetzung ihrer Vorschläge für eine Rente mit 60 und die Einführung einer 30-Stunden-Woche würde den Wirtschaftsstandort Deutschland "ernsthaft gefährden und das Problem der Arbeitslosigkeit nicht lösen". Die Gewerkschaft "beweise mit ihren Beschlüssen wieder einmal ihre Realitätsferne", sagte Hundt gegenüber der Tageszeitung "Die Welt".

Laut Hundt würde eine weitere generelle Arbeitszeitverkürzung die Arbeitskosten und damit auch den Rationalisierungsdruck in den Unternehmen erhöhen. Die geforderte Rente mit 60 sei "nicht finanzierbar". Hundt sagte: "Ich erteile den jetzt wieder neu erhobenen Forderungen der Gewerkschaften, für eine Rente mit 60 die Altersgrenzen in der Rentenversicherung abzusenken, daher eine deutliche Absage." Die Wirkungen auf den Arbeitsmarkt "wären schon deshalb schädlich, weil es gar nicht genügend qualifizierte junge Arbeitslose gibt, um unsere erfahrenen älteren Know-how-Träger in großem Umfang ersetzen zu können".

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