Wirtschaft : Bei BMW sind Traditionen nicht länger tabu

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

MÜNCHEN .Entgegen anderslautender Gerüchte muß der Vorstandschef der Bayerische Motoren Werke (BMW) AG, Bernd Pischetsrieder, kommenden Freitag nicht mit seiner vorzeitigen Entlassung rechnen.Führungsfragen stünden bei der turnusmäßigen BMW-Aufsichtsratssitzung zum Wochenende keinesfalls auf der Tagesordnung, sagte ein Konzernsprecher in München auf Anfrage.Das Magazin "Stern" hatte dagegen vom bevorstehenden Aus für den BMW-Lenker berichtet.Als Nachfolger seien der derzeitige Entwicklungschef Wolfgang Reitzle und Ex-Finanzchef Volker Doppelfeld im Gespräch.

BMW-Aufsichtsratschef Eberhard von Kuenheim wirft Pischetsrieder laut "Stern" fehlerhafte Modellpolitik, allgemeine Führungsschwäche und eine falsche Einschätzung beim Kauf des britischen Autobauers Rover vor.Kuenheim wolle deshalb Reitzle beim Treffen der Aufseher zum neuen BMW-Chef küren.Dagegen gebe es aber Widerstände aus der Belegschaft, weshalb Doppelfeld als Kompromißkandidat für eine Übergangszeit diskutiert werde."Pischetsrieder hat eine gefestigte Position," heißt es dagegen hinter vorgehaltener Hand in München.In der Belegschaft sei zudem noch nicht über Reitzle als neuen Vorstandsvorsitzenden geurteilt worden, weil die Mitarbeiter zumindest derzeit keinen Wechsel in der Führungsspitze erwarten.Man sehe den amtierenden Chef bislang nicht als ernsthaft gefährdet an, urteilte ein Belegschaftsvertreter ungeachtet der anhaltenden Spekulationen über ein vorzeitiges Ausscheiden Pischetsrieders.

Der BMW-Lenker steht wegen der andauernden Probleme mit der britischen Tochter Rover unter Druck.Das Sorgenkind hat 1998 dafür gesorgt, daß im Konzern erstmals seit Jahren Absatz und Gewinn rückläufig waren.BMW-Manager Walter Hasselkus mußte deshalb vor acht Wochen seinen Platz als Rover-Chef freimachen und in den vorzeitigen Ruhestand gehen.Damit hatte sich BMW erstmals vorzeitig von einem Vorstandsmitglied getrennt.Das zeigt, daß der BMW-Aufsichtsrat angesichts des Rover-Problems nicht vor Traditionen haltmacht.

Am Freitag muß Pischetsrieder dem Gremium über die Gesamtlage des Konzerns und speziell die Situation in Großbritannien berichten.Der Kauf der defizitären Tochter geht maßgeblich auf ihn zurück, was nun auch besondere Verantwortung bedingt.Im Zuge von Hasselkus Ablösung hatte Pischetsrieder eigene Fehler im Umgang mit Rover eingeräumt.In der Zwischenzeit ist mit der britischen Belegschaft allerdings ein flexibles Arbeitszeitmodell nach dem Vorbild deutscher Werke vereinbart worden, was zusätzlich zum Abbau Tausender Stellen für Entlastung auf der Kostenseite sorgen wird.Damit allein werde Rover jedoch nicht die Profitabilität des Mutterhauses erreichen, hieß es zuletzt.Rover leidet vor allem unter einer veralteten Modellpalette, die unter BMW-Führung nun schrittweise modernisiert wird und dem hohen Pfund-Kurs.1998 ging der Rover-Absatz im britischen Heimatmarkt um elf Prozent zurück.Für ein Gesunden der britischen Tochter sind dem Vernehmen nach weitere Milliarden-Investitionen nötig.

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