Wirtschaft : Bei den Versorgern bahnen sich deutsch-französische Allianzen an - Angst vor Übernahmen

ews/jsn

Die RWE AG in Essen prüft die Übernahme der Sparte Umwelt von der Vivendi S.A., Paris. Die Franzosen wollen den Bereich an die Börse bringen. Für RWE bietet das beträchtliche Kundenpotenzial des französischen Konzerns einen großen Anreiz für eine Übernahme. Vivendi ist der größte Wasserversorger der Welt und würde einen Kundenstamm von annähernd 100 Millionen in eine Partnerschaft einbringen. Gemeinsam mit Vivendi halten die Essener schon eine Beteiligung an den Berliner Wasser-Betrieben. Der französische Konzern erzielte 1999 einen Umsatz von 41,5 Milliarden Euro. Davon entfielen auf die Umweltsparte 22,2 Milliarden Euro mit dem Schwerpunkt Wasser.

Inzwischen haben die Franzosen ihre Strategie ganz auf den Ausbau der Kommunikation ausgerichtet. So wird in einer englischen Sonntagszeitung berichtet, dass sich Vivendi, die kanadische Getränke- und Mediengruppe Seagram und der US-Konzern Cox Communications zusammenschließen wollen. Bisher erzielt Frankreichs Mischkonzern in der Wachstumssparte Kommunikation einen Umsatz von 8,7 Milliarden Euro. Auf der Liste der Desinvestitionen steht angesichts hoher Schulden auch das Geschäft mit Bau und Immobilien mit einem Umsatz von zuletzt 10,6 Milliarden Euro.

RWE-Chef Dietmar Kuhnt hat einen internationalen Deal bereits seit einiger Zeit im Visier. Für ihn steht beim Aufstieg in die Europaliga der Ausbau der Vertriebsschiene im Vordergrund. RWE setzt auf die Strategie, europaweit zehn Metropolen als Anbieter von Multi Utilities (Strom, Gas, Öl, Wasser, Entsorgung und energienahe Dienstleistungen) zu erobern. Neben dem starken Stromgeschäft - RWE ist bislang größter privater Stromproduzent in Europa - müssen die Bereiche Gas, Wasser und Mineralöl ausgebaut werden. Die nationale Fusion mit der VEW AG, Dortmund, kann nur als erster Schritt gesehen werden. Branchenexperten gehen davon aus, dass mittelfristig nur fünf bis sieben große Konzerne den Versorgungsmarkt beherrschen werden. In Essen werden neben dem Wasser-Deal noch weitere Kooperationsschritte geplant. Auf der Prüfliste steht der Erwerb der in der Nordsee aktiven Öl-und Gasfördergesellschaft Enterprise. Aber auch über eine Kooperation mit der italienischen Eni-Tochter Agip wird bei RWE diskutiert.

Hintergrund ist, dass in den Konzernzentralen der beiden großen deutschen Energieversorger RWE/VEW und Veba/Viag die Sorge vor feindlichen Übernahmen immer größer wird. Die Börsenkapitalisierungen von nur 37 Milliarden Euro bei Veba/Viag und 24,5 Milliarden Euro bei RWE/VEW sind bei prall gefüllten Kassen der ehemaligen Strommonopolisten und deren attraktiven Beteiligungen in Chemie, Bau und Maschinenbau nur eine kleine Hürde für einen Käufer. So loten vier Spitzenmanager der Veba AG, Düsseldorf, und der Suez Lyonnaise des Eaux S.A., Paris, schon seit Wochen die Möglichkeiten für eine Fusion aus. Aber wie bei Veba heißt es auch bei RWE bezüglich deutsch-französischer Kooperationen, dass in der Branche "jeder mit jedem" spreche. Im übrigen werde zu Gerüchten keine Stellung bezogen.

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