Wirtschaft : Bei einem zu hohen Steuersatz sinken die Steuereinnahmen

Martina Ohm

Arthur Betz Laffer bleibt modern. Der 59jährige amerikanische Wirtschaftswissenschaftler aus Ohio stellte die These auf, dass die Bereitschaft der Bürger, zu arbeiten und zu investieren, mit steigenden Steuersätzen sinkt. Von einem bestimmten kritischen Punkt an wirkt sich demnach jede zusätzliche Erhöhung der Abgaben kontraproduktiv aus. Im Umkehrschluss gilt nach Laffer: wenn Regierungen die Steuern senken, steigen auch die Einnahmen. Eine entsprechende Steuerreform kann sich auf diese Weise selber finanzieren.

Der prominenteste Schüler von Arthur Laffer, der als Vertreter einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik gilt, war der ehemalige US-amerikanische Präsident Ronald Reagan. Er folgte Laffers Rat. Allerdings musste die US-Regierung erst einmal immense Staatsschulden in Kauf nehmen, bevor die Konjunktur so richtig auf Touren kommen sollte. Dies führte der US-Ökonom Laffer im Nachhinein auf den time lag, die zeitliche Verzögerung, zwischen Ankündigung und Umsetzung des Programms zurück. Allerdings war auch die Ausgabenpolitik Washingtons mit daran Schuld.

Die Laffer-Kurve, die die Zusammenhänge zwischen Steuersätzen und Steueraufkommen veranschaulicht, hatte seinerzeit bei vielen die Erwartung geweckt, dass alle Einnahmeausfälle infolge von Steuersenkungen bereits im ersten Jahr ihrer Wirksamkeit durch stärkeres Wachstum und entsprechend höhere Einnahmen vollständig kompensiert werden könnten. Das ist allerdings in der Praxis kaum möglich.Dennoch bestätigen die Erfahrungen die Laffer-These in der Tendenz. Tatsächlich mindern Steuersenkungen die Staatseinkünfte weniger als vermutet und Steuererhöhungen steigern sie weniger als vermutet. Zu erklären ist dieses Phänomen mit der Verhaltensveränderung der Steuerzahler bei einer Veränderung der Durchschnitts- bzw. der Grenzsteuersätze.

Als Beleg dafür, dass sich Steursätze auf die Leistung des Einzelnen auswirken, kann das Phänomen der zunehmenden Steuerhinterziehung betrachtet werden, die nach wie vor als Kavaliersdelikt verstanden wird. Auch mit der Steuerehrlichkeit der Deutschen steht es nicht zum Besten. Grund genug, das durch eine Reform des Steuersystems zu verändern.

Auch die Bundesregierung geht - die Hans Eichels Reformpläne belegen - davon aus, dass niedrigere Steuersätze mit der Zeit nicht zu weniger, sondern zu mehr Einnahmen führen. Darauf zu vertrauen, dass innerhalb eines bestimmten Zeitraumes die Steuereinnahmen sprudeln, ist allerdings riskant. Zwar lassen sich die Zusammenhänge von Steuersätzen und -aufkommen nicht bestreiten, doch eine genaue Quantifizierung bleibt ausgesprochen schwierig. Problematisch ist auch die Fixierung auf einen bestimmten kritischen Steuersatz, der nur schwer zu bestimmen ist. Wirtschaftswissenschaftler empfehlen daher den Finanzpolitikern, nicht allein auf Laffer zu vertrauen, sondern im Rahmen nötiger Konsolidierungsbemühungen zunächst die Ausgaben zu überprüfen und zu reduzieren.

Ginge die Rechnung jedoch auf, und würden die geplanten Steuersenkungen tatsächlich zu einem Abbau der Arbeitslosenzahlen führen, so käme das direkt den öffentlichen Haushalten zugute. Eine Faustregel unter Ökonomen besagt, dass eine Reduktion um 100 000 Arbeitslose sich im Haushalt mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von vier Milliarden Mark niederschlagen könnte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben