Wirtschaft : Bei Rioja macht Aldi den Markt

Weine aus der spanischen Provinz La Rioja gibt es im Fachhandel zu kaufen – oder beim Discounter für 2,29 Euro

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Madrid (sk/HB). Die Region La Rioja ist bekannt für ihren Wein. In der nordspanischen Region hegen tausende von Weinbauern die edlen Reben und 493 Weinkellereien keltern den Stoff, einen Stoff, der vor allem in Großbritannien und Deutschland den Geschmacksnerv der Verbraucher trifft. Aber auch die Spanier selber trinken ihn.

Während die Ausfuhren spanischer Weine insgesamt zuletzt zurückgingen, legten die roten Säfte aus La Rioja zu – nach Deutschland überproportional. Einfluss darauf hat vor allem ein Abnehmer: Deutschlands Billigeinkaufskette Aldi. „Die Bedeutung des Discounters für die spanische Region ist enorm“, bestätigt die Weinkellerei Criadores de Rioja, die selbst Aldi beliefert.

Experten der Lebensmittelbranche haben errechnet, dass Aldi jährlich sechs bis sieben Millionen Flaschen RiojaWein verkauft. Damit bringt allein diese Supermarktkette 30 Prozent des gesamten deutschen Rioja-Imports unter die Leute. Vor drei Jahren, als Aldi den Wein aufgrund von deutlichen Preiserhöhungen der Spanier aus dem Sortiment genommen hatte, war der Export nach Deutschland, bis dahin Ausfuhrland Nummer eins, drastisch eingebrochen: von 13 Millionen Liter in 1999 auf 4,2 Millionen Liter im Folgejahr.

2001 nahm Aldi den Wein wieder ins Sortiment auf. Folglich stiegen die Ausfuhren von Rioja-Wein nach Deutschland auf 10,1 Millionen Liter. 2002 wurden 14,7 Millionen Liter exportiert. Die Region La Rioja steht für höchste spanische Qualität – gemeinsam mit der katalanischen Region Priorat. „Der Kontrollrat in La Rioja setzt hohe Maßstäbe an“, sagt Nicolas Papadopoulos, Weinhändler in Berlin und seit mehr als 20 Jahren auf Rioja-Wein spezialisiert.

Wie passt der Qualitätsanspruch zum Verkauf von Massenware an Billigdiscounter? Bei Aldi kostet eine Flasche Rioja 2,29 Euro. „Das sind Überkapazitäten, die kann man nicht wegleugnen“, behaupten Kritiker. Die Kellereien sehen das naturgemäß anders. Klar ist: Aldi verkauft junge Weine, deren Qualität (und damit auch der Preis) zwangsläufig geringer ist, weil bei ihnen jegliche Fasslagerung entfällt. „Damit verzichtet man auf das, was einen Rioja ausmacht“, sagt Papadopoulos.

Die spanischen Kellereien wissen um diese Gratwanderung: Sie verkaufen die Massenware an Aldi unter einer anderen Marke als ihre lang gereiften Weine. Beispiel Criadores de Rioja: Die Bodega beliefert Aldi Süd seit März 2003. Auftragsvolumen: 1,5 Millionen Flaschen, das reicht für etwa neun Monate. Die Ernte 2003 könnte gut werden und damit den Export weiter beflügeln, meinen Weinkenner. Mitte September beginnt die Lese und am 20. des Monats, so will es die Tradition, wird die Weingöttin der Region mit dem ersten Traubensaft verwöhnt.

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