Wirtschaft : Belgiens größte Bank wird heiß umworben

BRÜSSEL (sbe/HB).Die größte niederländische Bank, ABN Amro N.V., Amsterdam, will die belgische Generale Bank (GB), Brüssel, für 24,5 Mrd.Gulden (21,8 Mrd.DM) übernehmen.Diese Summe liegt deutlich über den vor einer Woche gebotenen 22 Mrd.Gulden des niederländisch-belgischen Allfinanzkonzerns Fortis.ABN Amro bietet vom 10.bis 30.Juni für eine GB-Aktie 19 eigene Stammaktien sowie 9000 belgische Francs in bar.Das entspricht 27 095 Francs pro Aktie gegenüber 24 726 Francs von Fortis.

ABN Amro und Generale Bank bildeten - gemessen an der im Europa-Geschäft erzielten Bilanzsumme - gemeinsam das größte Kreditinstitut in Europa, begründete ABN Amro-Vorstandschef Jan Kalff einen strategischen Vorteil für beide Banken.Für Kalff ist die Übernahme überdies eine der letzten Chancen, einen zweiten Heimatmarkt in Europa zu ergattern.Schon seit Jahren sucht er nach Akquisitionsmöglichkeiten.

Zusammen mit der GB will ABN Amro die weitere Expansion unter anderem nach Frankreich und Norditalien angehen.Zudem erwartet sie positive Synergieeffekte von einer Mrd.Gulden.Bereits 1998 werde der Gewinnzuwachs durch den Beitrag der GB das Ziel von 7,5 Prozent deutlich übertreffen.Außerdem bereichere die Generale Bank mit ihren Auslandsaktivitäten die starke Position der ABN Amro.Die Universalbank ist mit 1900 Niederlassungen in 71 Staaten und den USA als zweitem Heimatmarkt eines der global präsentesten Kreditinstitute.

"Das Angebot bietet der Generale Bank, ihren Kunden, Aktionären und Mitarbeitern eine Reihe deutlicher Vorteile gegenüber dem Gebot der Fortis AG und bessere internationale Wachstumsperspektiven", betonte Kalff.Er will alle Betriebe der Generale Bank und der ABN Amro in der EU und der Schweiz in einer neuen, in Brüssel geführten Sparte "Europa" bündeln.Die GB soll ihre "juristische Integrität" und eine gewisse strategische Unabhängigkeit behalten.Damit kommt die ABN Amro wie Fortis dem Wunsch der GB nach Selbständigkeit entgegen.Die Übernahme habe keine negativen Folgen für die Beschäftigten.Kalff bezweifelt aber, daß die EU-Kommission die Generale Bank Nederland als Teil der Gruppe akzeptieren wird, da diese viertgrößte Bank der Niederlande ist.Zusammen mit ABN Amro wäre das eine zu große Machtkonzentration.

Die Offerte soll fast vollständig aus neuem Eigenkapital finanziert werden.Dazu will ABN Amro 314 Mill.neue Stammaktien sowie vornehmlich auf dem US-Kapitalmarkt Vorzugsaktien für rund 5,5 Mrd.Gulden ausgeben.Der Aktienkurs von ABN Amro fiel um 0,70 auf 51,30 Gulden, Fortis gewannen dagegen 2,40 auf 126,90 Gulden.Generale Bank sprangen in Brüssel um 3575 auf 26850 belgische Francs.

Für Fortis schien zuvor schon alles geregelt.Sie hatte mit den GB-Großaktionären, darunter der Société Générale de Belgique (SGB), vereinbart, deren Aktienpaket von 33 Prozent per Aktientausch zu erwerben und ein öffentliches Übernahmeangebot auf alle ausstehenden Aktien zu machen.Für die SGB bleibe es dabei, sofern die Fortis-Hauptversammlung der nötigen Aktienemission zustimme, sagte eine SGB-Sprecherin dem Handelsblatt.

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