Wirtschaft : BenQ-Investor stößt auf Skepsis

Krisengespräch zur Zukunft des Handyherstellers

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Als Profi lässt sich Dieter Schulz nichts anmerken. Der oberste Wirtschaftsförderer des Landes Nordrhein-Westfalen scherzt am Montag mal mit diesem und dann mit jenem im Verhandlungssaal. Im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium findet am Nachmittag ein Krisengespräch zur Rettung des insolventen Handyherstellers BenQ statt. Bereitwillig stellt sich Schulz mit Insolvenzverwalter Martin Prager vor die Kameras. „Wo haben Sie denn Ihren Investor gelassen“, frotzelt er Prager an. Der lächelt nur gequält.

Allzu gute Erfahrungen hat Schulz mit der SF Capital Partners ohnehin noch nicht gemacht, hier im Raum verzieht manch einer die Miene, als man hört, dass deren Vertreter Hansjörg Beha wegen Abfertigungsproblemen am Flughafen München nicht rechtzeitig in Düsseldorf eintreffen konnte.

Die Düsseldorfer Wirtschaftsministerin Christa Thoben hat alle Beteiligten eingeladen, weil sie genug davon hatte, immer nur über Andeutungen in den Medien davon zu hören, dass es noch diesen oder jenen Investor gebe. „Wir wollen wissen, was die wirklich wollen und können“, hatte sie als Marschroute ausgegeben. Hinter den Kulissen wurde einem aber in der Landeshauptstadt souffliert, dass die Risiken bei all den schönen Plänen bisher die Chancen deutlich übersteigen.

Michael Leucker, der Gesamtbetriebsratschef, der am Montag ebenfalls nach Düsseldorf gekommen ist, macht sich keine besonderen Hoffnungen. „Man muss das alles prüfen, vorher kann ich nichts sagen“, antwortet er zurückhaltend auf die Chancen des Gespräches.

Skeptisch wird auch registriert, dass Hansjörg Beha ohne Bankenvertreter an den Rhein geflogen kommt. Dubios ist ohnehin, dass die SF Capital Partners ihr Interesse erst nach dem Jahreswechsel bekundet hat – zu einem Zeitpunkt also, zu dem es keine EU-Fördermittel mehr geben kann. Beha versucht später in dem Gespräch all die Vorbehalte zu zerstreuen. Er hat früher als Leiter der IT-Abteilung von Daimler-Benz gearbeitet und war nach seinem Ausscheiden dort für einen Software-Dienstleister in den USA tätig, bevor er sich – gemeinsam mit Partnern – auf Beteiligungen an kleineren IT-Firmen spezialisiert hat.

In seinem Vortrag entwirft er ein Geschäftsmodell, das sich deutlich von dem abhebt, was bisher öffentlich gehandelt wurde. Klar ist, dass er überwiegend hochpreisige Mobiltelefone bauen möchte, allerdings zuerst für den europäischen und in zweiter Linie für den US-Markt. Schwierig wird die Konferenz allerdings, als Nachfragen zu seinem Finanzierungskonzept kommen: Über die Banken mag Beha vorerst nicht in der großen Runde mit gut 40 Teilnehmern reden. Immerhin erscheint den Beteiligten sein Vortrag trotzdem so interessant, dass man das Gespräch nicht abbricht.

Die Mitarbeiter am BenQ-Standort Kamp Lintfort reagieren auf die Nachrichten gelassen: Obwohl es Meldungen über eine zweite Investorengruppe mit dem Namen Sentextech gibt, bauen sie ihr Protest-„Zelt der Solidarität“ erst einmal ab. „Wir haben einiges geschafft und bekommen in der Transfergesellschaft immerhin bis Ende des Jahres 84 statt nur 67 Prozent des letzten Lohnes“, urteilt Angelika Scher, eine Betriebsrätin.

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