Wirtschaft : BenQ war schon länger pleite

Das legt eine interne Notiz nahe. IG Metall sieht sich bestätigt: Siemens-Fabrik sollte plattgemacht werden

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf - Das Management des angeschlagenen Handy-Herstellers BenQ Mobile wusste möglicherweise früher als zugegeben von drohenden Zahlungsschwierigkeiten. „Wir haben null Budget mehr“, habe Finanzchef David Wang bereits Mitte August an Vorstandschef Clemens Joos geschrieben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ und beruft sich auf interne Dokumente. Nach außen hatten Führungskräfte der ehemaligen Siemens-Sparte später beteuert, optimistisch in das Weihnachtsgeschäft zu gehen. BenQ Mobile wollte sich am Dienstag nicht zu den Vorwürfen äußern.

„Die Berichte stärken den Verdacht, dass BenQ nie etwas anderes verfolgte, als die deutschen Standorte plattzumachen“, sagte ein Sprecher der IG Metall Nordrhein-Westfalen dem Tagesspiegel. Die taiwanesische Konzernzentrale habe im Gegensatz zu allen Beteuerungen nie ernsthaft in das bevorstehende Weihnachtsgeschäft investiert. „Wer hat denn Werbung für BenQ gesehen?“, fragte der Sprecher.

Auch die Staatsanwaltschaft kümmert sich nun um den Fall. „Wir haben Ermittlungen aufgenommen“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in München, Christian Schmidt-Sommerfeld, dem Bericht zufolge. Dabei gehe es um den Verdacht auf verspäteten Insolvenzantrag sowie auf verschiedene Bankrottdelikte.

Offiziell hatte die taiwanesische Konzernzentrale Ende September bekannt gegeben, die Mobilfunksparte und ihre deutschen Werke in Kamp-Lintfort und Bocholt nicht mehr zu finanzieren. Daraufhin hatte die deutsche Tochter Insolvenz angemeldet. Seither fürchten 3000 Mitarbeiter in den Werken und in der Münchener Konzernzentrale um ihre Arbeitsplätze. Insolvenzverwalter Martin Prager hat bereits deutlich gemacht, dass ein Großteil von ihnen das Unternehmen verlassen muss.

Das Gesetz schreibt in Deutschland vor, spätestens drei Wochen, nachdem eine Gesellschaft zahlungsunfähig wird, Insolvenz zu beantragen. Auf diese Weise soll vorhandenes Vermögen für die Gläubiger gesichert werden. Verstößt das Management dagegen, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Für die Gewerkschaft rückt auch Siemens’ Rolle in ein neues Licht. „Siemens hat die Konditionen beim Verkauf nicht ausreichend geprüft“, sagte der IG-Metall-Sprecher. Der Konzern hatte am Montag mitgeteilt, dass BenQ bei dem Kauf der Mobilfunksparte keine Standortgarantien gegeben habe. „Ein Abschluss weitergehender vertraglicher Vereinbarungen hinsichtlich der Standortsicherung ist bei solchen Betriebsübergängen nicht üblich und entspricht nicht dem allgemeinen Geschäftsgebaren“, hieß es vonseiten des Münchner Technologiekonzerns. Der BenQ-Mutterkonzern habe aber anfänglich bewiesen, dass er durchaus längerfristig in Deutschland produzieren lassen wollte. Das hätten die Taiwaner untermauert, als sie sich im Tarifvertrag zum Standort Kamp Lintfort bekannten.

Ein Siemens-Sprecher betätigte unterdessen einen Bericht, wonach die verschobene Gehaltserhöhung um knapp 30 Prozent für den Vorstand bereits im kommenden April wirksam werde. Das durch die Verschiebung frei werdende Geld soll den BenQ-Mitarbeitern zugutekommen.

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