Wirtschaft : Berater vermitteln zwischen Kirch und Banken

mot/hps/jojo/dih/HB

Die Gespräche der hochverschuldeten Kirch-Gruppe mit ihren Gläubigerbanken gestalten sich schwierieger als erwartet. Ein dreiköpfiges Beratergremium, das die Kirch-Gruppe am Montag vorstellte, soll Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen. Auch die Banken wollen einen Vermittler zur Lösung der Kirch-Krise einsetzen. Eine große Auffanglösung unter Beteiligung aller acht Gläubiger, die zunächst angestrebt wurde, scheint allerdings zu scheitern.

Die Restrukturierung der Kirch-Gruppe soll nach Angaben des Konzerns von den Anwälten Wolfgang van Betteray, Düsseldorf, und Klaus Hubert Görg sowie Unternehmensberater Hans-Joachim Ziems, beide Köln, unterstützt werden. Die "Spezialisten für Unternehmensneuordnungen" sollen unter anderem die Auswirkungen der Liquiditätssituation im Bezahlfernsehen auf die Gesamtgruppe untersuchen. Kirchs Pay-TV Premiere World verursacht jährlich Verluste von 800 Millionen Euro und ist mit 2,4 Millionen Abonnenten weit hinter den Plänen zurückgeblieben. Nach Informationen aus Branchenkreisen soll das Berater-Trio auch eine Moderatorenrolle in den Verhandlungen mit den Banken spielen. "Die Gläubigerbanken haben die Mandatierung des Beratergremiums begrüßt", hieß es bei Kirch.

Die Bildung eines Konsortiums aller Kirch-Gläubigerbanken wird unterdessen immer unwahrscheinlicher. Ein Einstieg der Banken bei Kirch oder Premiere, über den zwischenzeitlich spekuliert worden war, ist dem Vernehmen nach ebenfalls zurzeit kein Thema. In Bankenkreisen wurde am Montag insbesondere die "Sonderrolle" der Deutschen Bank betont, die sich an einer Auffanglösung für die mit 6,5 Milliarden Euro verschuldeten Mediengruppe nicht beteiligen wolle. Die Großbank besteht auf der Rückzahlung ihres Kredits in Höhe von rund 615 Millionen Euro. Dieser ist mit Kirchs 40-Prozent-Beteiligung am Axel-Springer-Verlag abgesichert, die Kirch in den kommenden Monaten verkaufen will. "Ohne die Deutsche Bank kommt eine konstruktive Lösung für die Kirch-Gruppe nicht zustande", sagte ein Banker dem Tagesspiegel. Die Deutsche Bank fühlt sich Branchenkreisen zufolge nicht mehr angesprochen, wenn es um die Rettung der Kirch-Gruppe geht. Vorstandssprecher Rolf E. Breuer habe Kirch in einem Vier-Augen-Gespräch ein Angebot unterbreitet, das dieser abgelehnt habe. "Ein neues Angebot wird es nicht mehr geben", hieß es am Montag. Kirch zieht offenbar im Rahmen einer Gesamtlösung die Offerte der Hypo-Vereinsbank vor, die 1,1 Milliarden Euro für das Springer-Paket geboten hatte. Verhandlungskreise deuteten die Einsetzung eines Beraterteams bei Kirch als "vertrauensbildende Maßnahme". Möglichweise werde sich bald auch auf Bankenseite ein "Moderator" finden, der eine konzertierte Aktion "professionell managen" werde.

Kirchs größter Verlustbringer, der Bezahlsender Premiere, steht nach dem Willen des neuen Geschäftsführers Georg Kofler vor einem radikalen Umbau. "Mit ein paar kosmetischen Änderungen schaffen wir den Umschwung nicht", sagte Kofler der "Süddeutschen Zeitung". Der Premiere-Chef will die Kosten drastisch senken. Auch die Hollywood-Studios und die Bundesliga-Vereine sollen vorübergehend billiger liefern.

Pro Sieben Sat 1 pessimistisch

Wie Kirchs Geschäfte mit dem werbefinanzierten Fernsehen laufen, wird an diesem Dienstag die Pro Sieben Sat 1 Media AG anlässlich ihrer Jahresbilanz bekannt geben. "Wir bereiten uns im Jahr 2002, insbesondere im ersten Halbjahr, auf ein schwieriges Werbeumfeld vor", sagte Vorstandschef Urs Rohner am Montag dem Handelsblatt. Der Jahresüberschuss soll mit rund 68 Millionen Euro um fast 30 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurückbleiben. Nachdem sich Rohner in der Vergangenheit mehrmals zu optimistisch geäußert hatte, hält er sich nun mit Prognosen zurück. Am Freitag hatte das Unternehmen die für Juni geplante Fusion mit Kirch-Media abgesagt. "Die Verschiebung der Fusion ist für die Pro Sieben Sat 1 Media AG kurzfristig nicht schädlich", sagte Rohner dazu. "Langfristig aber wäre ein Scheitern der Zusammenführung ein strategischer Nachteil." Wann die verschobene Fusion nachgeholt werde, wisse er nicht.

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