Wirtschaft : Berlin schlägt Bielefeld

Als Wirtschaftsstandort bleibt die Hauptstadt Mittelmaß. In zwei Jahren hat sich daran nichts geändert

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Als Wirtschaftsstandort liegt Berlin im Mittelfeld und konkurriert allenfalls mit Provinzstädten. Das belegt eine Untersuchung, die das Wirtschaftsforschungsinstitut Feri im Auftrag von „Capital“ vorgenommen hat. Die Hauptstadt kommt unter 60 deutschen Städten nur auf Rang 32 – keine Verbesserung gegenüber der gleichen Untersuchung vor zwei Jahren. Berlin liegt zwischen den Städten Ludwigshafen und Bielefeld – und zwei Plätze hinter Potsdam.

München ist die Stadt mit den besten Wirtschaftsaussichten in Deutschland. Auf Platz zwei und drei folgen der am Dienstag vorgelegten Untersuchung zufolge Stuttgart und Düsseldorf. Schlusslicht in dem Ranking ist Schwerin.

Feri hatte untersucht, wie sich in den Städten zwischen 2004 und 2013 Wachstum, Beschäftigung, Bevölkerungszahl und Kaufkraft entwickeln. Berlin brachte es auf 44,4, Potsdam auf 48,1 Punkte. München erreichte 72,5. Stuttgart auf 70,0 und Schwerin 16,7 Punkte. Das Ranking wird alle zwei Jahre veröffentlicht.

„Berlin fehlt eine moderne, produktive industrielle Basis“, sagte Feri-Ökonom Wolfgang Kubatzki. Die Wirtschaftsleistung der Hauptstadt wächst den Wissenschaftlern zufolge bis zum Jahr 2013 um 16,7 Prozent. Die Zahl der Arbeitsplätze soll sich um 2,9 Prozent erhöhen. Für die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam wurde in diesem Zeitraum ein Anstieg der Wirtschaftsleistung um 19,2 Prozent prognostiziert. Die Zahl der Arbeitsplätze nimmt nach Einschätzung der Wissenschaftler um 3,4 Prozent zu.

Dagegen erwartet Feri für München eine Zunahme der Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2013 um 26 Prozent. Die Zahl der Arbeitsplätze soll um rund 56 000 steigen (plus 6,4 Prozent). In Stuttgart und Düsseldorf steigt das Bruttoinlandsprodukt um ein Viertel. Beim Schlusslicht Schwerin sind es dagegen beim Wachstum nur elf Prozent, die Beschäftigung stagniert nahezu. „Die Globalisierung verschärft die Unterschiede zwischen den großen und kleinen Zentren“, erklärte Kubatzki. „Die Schwergewichte setzen sich durch.“

Stärkste ostdeutsche Stadt ist Dresden auf Platz 16. Auch der beste Aufsteiger kommt aus dem Osten: Die thüringische Landeshauptstadt Erfurt kletterte von Platz 52 auf 36 – vor allem dank der Konzentration auf den Maschinenbau. Am weitesten zurück fiel Bochum von Platz 38 auf 50. Der Industriestadt macht der Abbau von Jobs in der Produktion zu schaffen.

Auch beim Vergleich der Kaufkraft pro Kopf der Bevölkerung schneidet Berlin nur bescheiden ab. Während sie in München von derzeit 1747 Euro in den Jahren 2004 bis 2013 um rund 20 Prozent zunehmen soll, wird sie in Berlin von jetzt 1139 Euro um nur 13,7 Prozent steigen. In Schwerin wird das Wachstum der Kaufkraft zwischen den Jahren 2004 und 2013 bei nur 8,9 Prozent liegen. Derzeit beträgt die Kaufkraft in Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern 1150 Euro.

Im Vergleich mit ausgewählten anderen europäischen Großstädten, die Feri ebenfalls untersuchte, schneiden die deutschen nur mittelmäßig ab: Unter den großen Ballungszentren landete München auf Platz 14 – hinter der am stärksten boomenden Metropole Dublin, aber auch hinter Hauptstädten wie Helsinki, Madrid, Warschau, Budapest, Prag, Stockholm, Kopenhagen oder London.

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