Wirtschaft : „Berlin würde gerne mit uns tauschen“

Bei der Eröffnung des Jade-Weser-Ports wischt McAllister Zweifel beiseite.

Warten auf Kundschaft. Die Ladekräne wurden wochenlang getestet.Foto: dpa
Warten auf Kundschaft. Die Ladekräne wurden wochenlang getestet.Foto: dpaFoto: dpa

Wilhelmshaven - Mit einem Seitenhieb auf Hamburg hat Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) am Freitag den Jade-Weser-Port eröffnet. Deutschland bekomme ein „neues Tor zur Welt“, sagte er in Wilhelmshaven mit Blick auf die Konkurrenz in der Hansestadt Hamburg. Nach 16 Jahren Planung und viereinhalb Jahren Bauzeit hat Deutschland damit seinen ersten tideunabhängigen Tiefwasserhafen. Eine Milliarde Euro haben Niedersachsen und Bremen sowie der Hafenbetreiber Eurogate investiert.

Für die Region soll das Projekt ein Jobmotor werden. „Wir rechnen mit über 2000 Arbeitsplätzen, die in den nächsten Jahren hier geschaffen werden“, sagte McAllister vor rund 1200 Gästen, die sich an dem neuen Containerterminal versammelt hatten. Angesichts der langen Planungs- und Bauphase verwies er auf andere Großprojekte. „Wir haben die Eröffnung um gerade einmal sechs Wochen verschieben müssen. Manch andere, die in Berlin-Brandenburg einen Flughafen bauen, würden gerne mit uns tauschen“, sagte McAllister. Die Eröffnung des Berliner Großflughafens BER musste bereits mehrfach verschoben werden, unter anderem wegen massiver Mängel beim Brandschutz. Die Verantwortlichen haben dort nun den Oktober kommenden Jahres zur Inbetriebnahme angepeilt.

Am Jade-Weser-Port hatte dagegen bereits am Donnerstagabend das erste Containerlinienschiff festgemacht. Die 300 Meter lange „Laguna“ der Reederei Maersk legte an der Kaje in Wilhelmshaven an. Mit dem symbolischen Löschen des ersten Containers ging der Tiefwasserhafen am Freitag in Betrieb.

Dabei ist das Eröffnungsschiff gar nicht einer der Giganten der neuen Generation, die der Jade-Weser-Port dank seiner großen Tiefe anlocken sollte. Aber dafür gibt das 300 Meter lange Schiff den Startschuss für zwei wöchentliche Linienverbindungen, von und nach Südamerika sowie von und nach China.

Neben McAllister waren unter anderem sein Bremer Amtskollege Jens Böhrnsen (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zur Eröffnung gekommen. Eigentlich hätten sie bereits anderthalb Monate zuvor dem Großprojekt ihre Aufwartung machen sollen. Doch mehr als 340 Risse in der nagelneuen Spundwand des Hafens ließen den ursprünglichen Termin am 5. August platzen. Diese Panne war nur die letzte in einer langen Reihe: Jahrelange Querelen um die Auftragsvergabe, Animositäten zwischen Niedersachsen und Bremen und der frühzeitige Ausstieg Hamburgs hatten die Entstehung des Projekts begleitet. Die Sanierungskosten allein für die Risse werden auf 50 bis 100 Millionen Euro geschätzt.

Ob der Hafen rentabel betrieben werden kann, ist fraglich. Bis auf die Tiefkühl- und Logistikfirma Nordfrost hat sich noch kein nennenswertes Unternehmen auf dem Gelände angesiedelt. Viele Reeder sparen sich den Umweg über die Jade, schicken ihre Containerschiffe lieber an ihre bisher angestammten Ziele. In Niedersachsen gibt es ohnehin den Verdacht, der Bremer Logistikriese, der die Containerhäfen in Bremerhaven und Hamburg betreibt, wolle sich selbst am Jade-Weser-Port keine allzu große Konkurrenz machen. Tsp/dapd/dpa

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