Wirtschaft : Berliner Banken haben sich in der Vermögensverwaltung auf die steigende Nachfrage eingestellt

Daniel Rhee-Piening

Der tägliche Blick ins Kurstableau und der damit verbundene Nervenkitzel, den die Entwicklung an den internationalen Börsen auslösen kann, ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Nicht jeder will sein Vermögen in einzelnen Aktien anlegen. Zudem setzt dies eine bestimmte Mindesthöhe des eingesetzten Vermögens voraus. Die Banken und Sparkassen haben sich auf die neue Klientel eingestellt und bieten mehr und mehr die fondsgestützte Vermögensverwaltung an, die sich auch an Kunden mit kleineren Vermögen wendet. Die Berliner Instuitute sind mit eigenen Produkten auf den Markt gekommen.

Beispiel Fonxx Select: Auf ein derartiges Angebot hatten die Anleger offenbar gewartet. Zumindest legt dies der Mittelzufluss in den Fonxx Select der Weberbank Berliner Industriebank nahe. "Angefangen mit der Planung haben wir bereits Ende 1997", erläutert Christian Grün, geschäftsführender Gesellschafter der zum Konzern der Bankgesellschaft Berlin gehörenden Privatbank. Heute verwaltet der Fonxx Select rund 400 Millionen Mark. Allein seit dem vergangenen Herbst flossen rund 150 Millionen Mark zu. Fonxx Select steht für eine Geldanlage mit Vermögensverwaltung für Beträge bereits ab 50 000 Mark. Der Anleger hat die Wahl zwischen drei Modellen: dem konservativen Depot mit einem Anteil von maximal 30 Prozent Aktienfonds, dem ausgewogenen Depot, bei dem sich Aktienfonds und Rentenfonds die Waage halten, und schließlich dem chancenorientierten Depot mit einem Aktienfonds-Anteil von bis zu 100 Prozent. Der Anlageausschuss der Bank wählt aus über 3000 in Deutschland zugelassenen Aktien- und Rentenfonds aus. In einem ersten Schritt wird die Verteilung auf Länder beziehungsweise Branchen festgelegt. "Wir sind völlig frei in der Auswahl", betont Grün, "das Kriterium ist, wie der Fonds bisher abgeschnitten hat. Wir müssen keine Vorgaben des Konzerns erfüllen und da wir als Bank selbst keine Fonds auflegen, kommen wir auch nicht in die Versuchung, eigene Produkte zu bevorzugen. Wir machen aus der Tatsache, dass wir keine eigenen Fonds auflegen eine Stärke und benutzten die Branche dazu, für uns die besten Manager auszusuchen", fügt er hinzu. Geprüft wird, wie hoch war die Rendite des Fonds in den vergangenen Jahren? Dem gegenüber gestellt wird das Risiko des einzelnen Fonds und schließlich wird eine sogenannte Sharp Ratio errechnet. "Der Fonds sollte unter den besten zehn seiner Gruppe sein", sagt Grün.

Bei der einmaligen Prüfung bleibt es nicht. "Wir halten engen Kontakt zu den Fondsmanagern", ergänzt Dirk Rüttgers, Abteilungsleiter Vermögensverwaltung der Weberbank. In der Regel liegt einmal im Monat ein schriftlicher Report des Fondsmanagements vor, ein bis zwei Mal im Jahr kommt es zu persönlichen Treffen. Für drei Fonds war das Ergebnis im vergangenen Jahr wenig schmeichelhaft - sie wurden "aussortiert".

Vermögensverwaltungsberichte und der Nachweis über jeden Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen geben dem Investor einen Überblick über die Zusammensetzung und die Wertentwicklung des Depots. Im Gegensatz zu Dachsfonds wisse der Kunde immer genau, wo er "drin" sei, so Rüttgers. Grün ist sich sicher, das sich das Prinzip gerade in Zeiten steigender Volatilität an den Märkten bewährt. "Jetzt werden die Kunden schätzen lernen, dass die Fonds auch die Abwärtsbewegungen abfedern können."

Mit einer Managementpauschale von 1,5 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer sind alle Gebühren und Provisionen abgegolten. Sie werden zeitanteilig am Ende jeden Halbjahres fällig. Die für das Depot ausgewählten Fondsanteile werden zum Rücknahmepreis gekauft. Die Performance der Produkte kann sich bisher sehen lassen. Beim konservativen Depot erreichte sie im vergangenen Jahr 15,07 Prozent beziehungsweise 5,32 Prozent im ersten Quartal 2000. Beim ausgewogenen Depot waren es 22,84 (1999) beziehungsweise 6,83 Prozent im ersten Quartal 2000. Das chancenorientierte Depot schließlich schaffte 1999 eine Performance von 49,12 Prozent im vergangenen Jahr und im ersten Quartal 9,35 Prozent.

Für Anleger, denen 50 000 Mark als eine zu hohe Summe erscheinen, hält die Bankgesellschaft Berlin seit dem 1. März eine Form der Vermögensverwaltung bereit, der die Marketingstrategen den programmatischen Titel "BB-Bull" gegeben haben. "Sie umfasst", so Andreas Heyme vom Bereich private Vermögensanlagen bei der Bankgesellschaft, "Dachsfonds (Berolina Capital, die von der Deka International in Luxemburg verwaltet werden), Einzelfonds der Bankgesellschaft Berlin, Haus Invest), eine fondsgebundene Vermögensverwaltung und die individuelle Vermögensverwaltung." In den Zielen unterscheidet sich diese Form der Vermögensverwaltung nicht von denen, die jedes andere Institut auch anbietet: Die individuelle Vermögensstruktur des Kunden soll optimiert werden.

Allerdings ist bei der fondsgebundenen Vermögensverwaltung die Einstiegshürde gering. In der Regel sollte der Kunde 30 000 Mark in dieser Form anlegen. Doch, so Heyme, auch mit 10 000 Mark ist der Einstieg schon möglich. Allerdings muss dann ein Sparplan abgeschlossen werden, der eine regelmäßige Sparrate (monatlich, vierteljährlich) von 500 DM vorsieht. Der Anleger hat die Wahl zwischen fünf Varianten. Ertrag: Diese Wahl, so gibt Heyme zu, ist derzeit vielleicht nicht besonders renditestark, aber um so konservativer. Hier wird nur in Rentenfonds investiert. Der Anteil der Aktienfonds liegt bei Null. Sicherheit: Bei dieser Form liegt der Aktienfonds-Anteil bei bis zu 25 Prozent. Wachstum: bei dieser Variante erreicht der Aktienfondsanteil bis zu 50 Prozent. Chance: Der Aktienfondsanteil beträgt bis zu 100 Prozent. Premium: der Anteil des Vermögens, der in Aktienfonds investiert wird, liegt (immer) bei 100 Prozent. "Die Obergrenzen sind", so Heym, "zwingend". Steigt der Aktienfondsanteil, etwa wegen einer Hausse an der Börse über die vorgesehene Schwelle, steigen die Fondsmanager aus, auch auf die Gefahr hin, Chancen verstreichen lassen zu müssen.

Mit Performanceaussagen hält sich Heyme zurück. Realistisch sei die Wertentwicklung der letzten 20 Jahre, in denen es international anlegende Aktienfonds auf ein Plus von etwa elf Prozent und Rentenfonds auf sieben bis acht Prozent brachten. Verwaltet werden die Fonds von den Deka-Managern, die dabei mit den Partnerfonds J.P. Morgan und der Schweizerischen Lombard Odier zusammenarbeiten. Je nach Risiko sind die Gebühren gestaffelt. Generell fallen bei der fondgebundenen Vermögensverwaltung keine Depotgebühren und keine Ausgabeaufschläge an. Dafür berechnet BB ein jährliches Entgelt von 1,75 Prozent (Ertragsvariante) 1,95 Prozent (Sicherheit, Wachstum, Chance) beziehungsweise 2,15 Prozent (Premium) der Anlagesumme.

Der Zuspruch für die fondsgebundene Vermögensverwaltung sei gut, so Heyme, der noch keine konkreten Zahlen parat hat. Der Zulauf an Kundschaft mag auch an der intensiven Werbung liegen, die für das Neue Produkt betrieben wird.

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