Wirtschaft : Berliner Chemie hebt sich positiv ab

Besser als die Branche / Umsatzeinbrüche gestoppt BERLIN (-olm).Der Berliner Chemie-Industrie geht es wieder besser.Nach den hohen Umsatzeinbrüchen der letzten drei Jahre - 1995 betrug der Rückgang 7,6 Prozent - konnte die Branche 1996 ein fast ausgeglichenes Ergebnis präsentieren.Zwar ging der Gesamtumsatz nochmal leicht um knapp 1 Prozent auf 4,08 Mrd.DM zurück, hob sich aber deutlich vom deutschen Branchendurchschnitt (minus 2,4 Prozent) und vom verarbeitenden Gewerbe in Berlin (minus 6 Prozent) ab.Auch für das laufende Geschäftsjahr sagte der Berliner Verbandsvorsitzende Hansjürgen Nelde am Freitag ein Ergebnis voraus, das nicht unterhalb der Zahlen von 1996 liegen werde. Mit Blick auf die deutschen Inlandsumsätze, die bei sinkenden Erzeugerpreisen und einem schwachen Mengengeschäft um 5,9 Prozent auf 93,5 Mrd.DM zurückgegangen sind, warnte Nelde davor, die Situation ausschließlich nach dem guten Abschneiden der fünf größten deutschen Chemiekonzerne zu beurteilen.Für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen mit rund 500 000 Beschäftigten sei das abgelaufene Jahr durchaus nicht so erfolgreich gewesen. Auch in Berlin müsse man bei allem Optimismus deutlich zwischen den einzelnen Sparten unterscheiden.Dem Wachstum von 3,5 Prozent in der pharmazeutischen Industrie - die Hälfte davon entfiel auf die Schering AG - standen Einbußen in allen anderen Bereichen gegenüber.Dabei hat insbesondere der Bereich Körperpflegemittel weltweit einen Strukturwandel zu verkraften.Die Kaufzurückhaltung der Konsumenten schlug auch auf dem Berliner Markt durch.Die Umsätze gingen um 14,7 Prozent auf 334 Mill.DM zurück.Nelde verwies dabei auf die abgewanderten Firmen Schwarzkopf, Columbia Cosmetics sowie Alexander Gross und Puhl.Das Unternehmen HPC (vormals Elida Gibbs) will noch in diesem Jahr die Produktion in Berlin einstellen.Betriebsschließungen und Verlagerungen führten dazu, daß der Umsatzanteil der Körperpflegemittel heute nur noch 8,2 Prozent beträgt.1990 waren es noch 17,7 Prozent.Auch die Farben- und Lackindustrie in Berlin mußte ihre Prognosen nach unten korrigieren.Vor allem die schwierige Situation im Baugewerbe führte zu Einbrüchen von rund 16 Prozent.Die Umsätze werden für 1996 nur noch mit insgesamt 187,2 Mill.DM ausgewiesen.Gleiches gilt für fotochemische Produkte und Spezialfasern.Hier verringerten sich die Berliner Umsätze um 9,7 Prozent auf 454,9 Mill.DM. Daß sich die Umsatzergebnisse über alle Branchen verteilt dennoch positiv ausnehmen, führt Nelde auf die Erfolge im Auslandsgeschäft zurück.Durch die hohe Exportquote von 44 Prozent konnten die Berliner Chemiebetriebe die Nachteile auf dem Inlandsmarkt fast kompensieren.Als weiteren Grund nannte Nelde die Innovationsbereitschaft der Branche.Vier Fünftel aller Berliner Chemiefirmen hätten in den letzten zwei Jahren neue Produkte auf den Markt gebracht. Die Mitarbeiterzahl ging bei den rund 70 Mitgliedsfirmen der Berliner Chemieverbände 1996 um 600 auf 16 700 Beschäftigte zurück.Durch die Produktionsstillegung der Hoechst Trevira sowie durch die Betriebsschließung der HPC Deutschland GmbH werden in diesem Jahr weitere 300 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren.

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