Wirtschaft : Berliner Finanzkrise: Interview:"Aktionäre müssen sich wehren"

Herr Schultze-Zeu[Sie haben einen offenen Brief a]

Dieter Schultze-Zeu ist Rechtsanwalt in Berlin und Anleger der Bankgesellschaft.

Herr Schultze-Zeu, Sie haben einen offenen Brief an die Aktionäre der Bankgesellschaft geschickt, weil Sie durch die Schieflage des Konzerns viel Geld verloren haben.

Ich will die freien Aktionäre aufrufen, sich zu wehren, und die Angestellten des Bankenkonzerns um Informationen bitten, damit jetzt nicht wieder Leichen im Keller bleiben. Unbeantwortet ist die Frage, wer für die Vergabe von riskanten Krediten verantwortlich war. Konzernchef Rupf hatte noch Anfang 2001 eine Dividende versprochen.

Rupf versteht sich als Opfer des Klüngels...

Sicher mag er auch ein Opfer gewesen sein. Er trägt aber als Vorstandschef die Gesamtverantwortung. Berlin-Hyp, Landesbank und Berliner Bank sind zu ein Konzern. Deshalb schreibt Rupf in den Geschäftsberichten von einer einheitlichen Willensbildung und Leitung des Konzerns. Er konnte und musste sich alle Informationen holen. Wer Spitzengehälter kassiert, muss auch Spitzenleistungen bringen. Ähnliches gilt für Berlin-Hyp-Chef Landowsky. Er bekam 700 000 Mark jährlich für seinen Job. Das war praktisch ein Nebenjob, wenn man nur an seine Funktionen als CDU-Fraktionschef, Abgeordneter, Wahlkämpfer, Mitglied des Rundfunkrates sowie des Lottorates denkt.

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Ted:
Sind Neuwahlen fällig? War Rupf ein Befehlsempfänger des Polit-Bankers Landowsky? Wenn er Befehlsempfänger von Politikern war, dann muss der Senat die Verantwortung tragen und die freien Aktionäre abfinden. Der Aktienkurs lag im Jahr 2000 bei rund 17 Euro. Es gibt 218 Millionen Aktien insgesamt. Davon sind 13,4 Prozent in Streubesitz. Also müsste es Abfindungen für 29,21 Millionen Aktien geben. Jede Aktie hat beim derzeitigen Kurs von neun Euro sieben Euro an Wert verloren. Zur Abfindung benötigt der Senat 200 Millionen Euro.

Die Verantwortlichen verweisen auf Wirtschaftsprüfer. Sind die Schuld am Desaster?

Nicht an der Krise, aber an der verspäteten Aufklärung. Die Wirtschaftsprüfer müssen die Jahresabschlüsse von 1996 bis 1999 fehlerhaft geprüft haben. Anders ist nicht zu erklären, dass ein Wertberichtigungsbedarf von vier Milliarden Mark vom Himmel fällt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Sehen Sie kriminelle Machenschaften?

Aufklärungsbedürftig ist die Aubis-Sanierung, der IBAG-Greico-Komplex, die Rupf-Hornbach-Konnektion. Außerdem sind die Geschäftsberichte seit 1996 geschönt, der Rückstellungsbedarf von vier Milliarden geht auf alte Kredite zurück. Hinzu kommen sieben Milliarden Mark, die seit 1996 abgeschrieben wurden, insgesamt elftausend Millionen Mark. War die Bankgesellschaft ein Vermögensvernichtungsinstitut?

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