Wirtschaft : Berliner Finanzkrise: Peanuts für blauäugige Banker

Rainer Hank

Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen schätzt den Finanzbedarf für die Bankgesellschaft Berlin auf vier Milliarden Mark. "Peanuts", sagt sich der Berliner und resigniert angesichts eines Schuldenbergs der Hauptstadt von über 80 Milliarden Mark. Besser als Resignation wäre es freilich, sich vom Stichwort "Peanuts" auf die richtige Fährte leiten zu lassen. Das war jener Skandal um den

Zum Thema Online Spezial:
Finanzkrise in Berlin
Ted:
Sind Neuwahlen fällig? Bauunternehmer Jürgen Schneider und eine locker hingeworfene Bemerkung des damaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, dessen Kreditinstitut für die Verluste aufkommen musste. Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Beide Mal geht es um leichtfertig vergebene Immobilienkredite im Filz von Bestechlichkeits- und Betrugsverdacht. Wachstum um jeden Preis war das Ziel bei der Bankgesellschaft und der Deutschen Bank: Notorisch vorsichtige Banker haben Risiken blauäugig vom Tisch gewischt, weil das große Geschäft winkte. Spätestens hier endet die Schneider-Landowsky-Parallele. Der Unterschied zwischen der Deutschen Bank und der Bankgesellschaft steckt nicht nur im architektonischen Abstand von der Leipziger Mädler-Passage (Schneider) zum gemeinen Plattenbau in Berlin (Landowsky). Gravierender noch ist die Frage der Haftung: Beide Mal werden die Eigentümer zur Verantwortung gerufen. Im Fall Schneider sind das alle Aktionäre der Deutschen Bank. Im Fall der Bankgesellschaft Berlin ist es mehrheitlich die Allgemeinheit. Offenbar sind Privataktionäre vorsichtiger: Die Deutsche Bank hat damals 1,2 Milliarden Mark an Krediten in den Sand gesetzt und großzügig Handwerkerrechnungen von 50 Millionen Mark beglichen. Das Land Berlin muss jetzt wohl vier Milliarden Mark nachschießen. Ein wenig mehr als nur Peanuts.

0 Kommentare

Neuester Kommentar