Wirtschaft : Berliner Köpfe: 30 Jahre bei Klosterfrau

Daniel Rhee-Piening

Mit Klosterfrau verbindet man zunächst Köln. Schließlich kommt der bekannte Melissengeist aus der Domstadt. Die Karmeliterin, die das Rezept im 17. Jahrhundert erfand, liegt in der Nähe des Doms begraben. Aber die Klosterfrau-Gruppe umfasst eine ganze Reihe von Unternehmen, darunter auch die Klosterfrau Berlin GmbH.

Geschäftsführer des Werks in Marienfelde mit derzeit rund 250 Mitarbeitern ist seit 1980 Rainer G. Jahn. "Wir arbeiten nach dem Kollegialitätsprinzip", erläutert Jahn, der sich selbst als ergebnis-, aber auch konsensorientiert charakterisiert. An der Spree werden so bekannte Produkte wie Klosterfrau Aktiv-Kapseln, Assugrin und Franzbranntwein sowie - von Töchtern, darunter die Divapharma - Neo-Angin Halstabletten, Broncholind-Arzneimittel oder die Taxofit-Reihe hergestellt. Die Auslastung sei gut, sagt Jahn, geliefert wird in Deutschland an Apotheken, Drogeriemärkte aber auch an Lebensmittelketten wie beispielsweise Reichelt. Daneben sind die Produkte in vielen EU-Ländern, in den östlichen Nachbarländern und vor allem in Polen in den Regalen zu finden.

Jahn, 1946 in Berlin geboren, feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Dienstjubiläum bei Klosterfrau. Nach der Schule in Berlin, einer Lehre als Industriekaufmann bei Spinne Zehlendorf und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre, ging er zunächst in die Auslandsabteilung von Hoechst in Frankfurt (Main). 1971 begann er, die Marktforschungsabteilung für die Klosterfrau-Unternehmensgruppe aufzubauen, von 1977 an nahm er Geschäftsführerfunktionen und Marketingaufgaben wahr und hatte viel im Ausland zu tun. Sieben Jahre war er Chairman der International Sweetener Association, des Internationalen Zusammenschlusses der Hersteller von Süßungsmitteln, und Jahn hat in dieser Zeit manche internationale Konferenz in seine Heimatstadt geholt. Heute ist er Vorsitzender des Deutschen Süßstoffverbandes, sitzt in der Vollversammlung der Berliner Industrie- und Handelskammer und ist im Unternehmerverband Berlin-Brandenburg aktiv. "Aber ich bin kein typischer Verbands-Mensch", stellt er klar.

"Ich war auch als gebürtiger Berliner immer kritisch gegenüber der Stadt", sagt er, "zumal ich über 25 Jahre lang mindestens drei Tage in der Woche nicht in Berlin war." Es seien kaum Geschäftspartner nach Berlin gekommen. "Wenn wir etwas verkaufen wollten, musste man sich ins Flugzeug setzen", begründet er seine Aktivitäten. "Aber schon vor der Wende habe ich in der Gruppe immer dafür gestanden, dass man aus Berlin mehr macht als eine verlängerte Werkbank". Nach dem Fall der Mauer ist es dann auch gelungen, aus eigenen Mitteln verstärkt zu investieren und den Wegfall der Berlinförderung nahezu auszugleichen. Damals gab es manche Schwierigkeit mit einer schwerfälligen Verwaltungsbürokratie, "aber das meiste ist auf dem Weg der Besserung", beruhigt er.

Heute ist Jahn ein begeisterter Berliner. "Ich finde die Dynamik einfach toll." Nun stehen dem Besitzer eines "schönen alten Motorbootes vom Typ Adler 34" auch die Gewässer der Umgebung offen und Jahn gerät ins Schwärmen. "Ich habe schon viel von der Welt gesehen, aber einen meiner schönsten Urlaube habe ich mit dem Boot auf einem einsamen Havelsee verbracht", berichtet er.

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