Wirtschaft : Berliner Köpfe: Manfred Neubert: Mit Gefühl für den Erfolg

Karin Birk

Manfred Neubert will gestalten, er will unternehmerisch handeln und sich an seinen Ergebnissen messen lassen. Nichts scheint den Vorstandschef der Willy Vogel AG in Berlin-Marienfelde mehr abzuschrecken, als sich stur an irgendwelche Vorgaben halten zu müssen und weniger Gestaltungsspielraum zu haben.

"Ich übernehme lieber die volle Verantwortung für einen Mittelständler wie Vogel, als in einem Großkonzern nur ein kleines oder mittleres Rad zu drehen", sagt der studierte Volkswirt. Er weiß, wovon er spricht. Bevor er 1996 zu Vogel kam, war er über zwanzig Jahre bei Hoechst im In- und Ausland beschäftigt. Ganz zu Anfang als Trainee in der Zentrale, zuletzt als Geschäftsführer der Auslandsniederlassung der Hoechster-Beteiligungsgesellschaft in London.

Neubert ist mit seiner Wahl zufrieden: Die Arbeit bei Vogel, beim Weltmarktführer für Zentralschmiersysteme, gefällt ihm. Hier kann er strategisch planen, kann die Internationalisierung der Unternehmensgruppe vorantreiben. Und hier kann er seinen Erfolg oder Misserfolg an der jährlichen Bilanz ablesen. Dabei geht es dem gebürtigen Schwaben aus Friedrichshafen aber nicht nur um bloße Zahlen. "Ich versuche die Interessen der insgesamt 1200 Mitarbeiter, der Kunden und der Anteilseigner gleichermaßen unter einen Hut zu bekommen", sagt er. Nicht immer eine leichte Aufgabe.

Doch die Beteiligten scheinen zufrieden zu sein. Die Fluktuation in der Unternehmensgruppe ist gering, die Beteiligungsstruktur hat sich in den vergangenen zwölf Jahren nicht geändert und das Ergebnis kann sich ebenfalls sehen lassen. Neubert wird den Aktionären - rund 90 Prozent der Unternehmensanteile hält eine Investorengruppe aus Versicherungen und Banken - für das Jahr 2000 bei einem Umsatz von rund 260 Millionen Mark ein Ergebnis von voraussichtlich rund 15 Millionen Mark präsentieren können. Das ist mehr als im Jahr zuvor, doch mehr kann er noch nicht sagen. "Wir sind ein sehr gesundes Unternehmen." Und daran soll sich unter der Führung von Neubert und seinem Vorstandskollegen Heinz Gaub auch nichts ändern.

Das Unternehmen, das Willy Vogel 1929 in Kreuzberg gründete, soll auch weiterhin Weltmarktführer für Zentralschmiertechnik bleiben. Technik, wie sie vor allem im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automobilindustrie oder bei Bahnen gebraucht wird. "Wir sorgen dafür, dass beispielsweise bei einer Druckmaschine alles wie geschmiert läuft", sagt er. Ein relativ kleiner Markt, doch die Konkurrenz unter den vielen kleinen und mittleren Unternehmen ist hart.

Doch das schreckt ihn nicht. Mit einem Netz von Repräsentanzen rund um die Welt, mit gutem Service und schneller Produkt-Entwicklung wollen Neubert und seine Mannschaft - allein 500 Mitarbeiter sind in Berlin-Marienfelde beschäftigt - die gute Position des Unternehmens halten.

Wenn Neubert nach fünf Jahren Vogel Bilanz zieht, dann ist er zufrieden. "Es war eine glückliche Fügung", sagt er. "Ich arbeite nicht nur gern bei Vogel. Ich bin auch sehr gern in Berlin." Und das will viel heißen. Denn London war ihm, seiner Frau und den zwei Kindern wirklich ans Herz gewachsen.

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