Wirtschaft : Berliner Köpfe: Vom Fensterglas zur Präzisionsoptik

Jacqueline Dreyhaupt

"Geburtsort Cottbus, aber sofort Umzug nach Berlin, also Berliner." Wer diesen Satz in seine Vita schreibt, den muss mit Berlin viel verbinden. Bis auf den "kleinen Ausrutscher" mit dem Geburtsort hat Berlin für Herbert Kubatz, Jahrgang 1938, immer eine zentrale Rolle gespielt. "Ich habe alle politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Berlin miterlebt." Auch als Unternehmer ist der Inhaber und geschäftsführende Gesellschafter der Berliner Glas KG der Stadt immer treu geblieben.

Familientradition verpflichtet: Bereits 1952, als er noch das Walter Rathenau Gymnasium besuchte, gründete Herbert Kubatz senior das Unternehmen als Glasgroßhandel im Osten Berlins. Die Zeiten, als in den Produktionshallen von fünf Mitarbeitern noch einfache Fensterscheiben geschnitten wurden, sind allerdings lange vorbei. Sein Vater erkannte 1957 die Marktlücke und begann deutlich kleinere Scheiben für Diapositive und Objektträger zu produzieren.

Heute beschäftigt die Berliner Glas KG in Deutschland rund 500 Mitarbeiter, davon 380 am Hauptsitz in Neukölln. Im vergangenen Jahr erwirtschafte das Unternehmen einen Umsatz von 50 Millionen Euro. Im Juli 2001 hat die Berliner Glas zudem 75 Prozent der Anteile an der Schweizer Swiss Optic AG mit 180 Mitarbeitern und einem Umsatz von 25 Millionen Euro erworben. Auch die Produktpalette hat sich um einige Artikel erweitert und lässt sich in die beiden Bereiche Technische Gläser und Präzisionsoptik untergliedern. Ob die Tachometer-Scheibe im Auto, die Vorsatzscheibe bei Fernsehern oder Fotokopierer - die Produkte der Neuköllner finden sich in vielen Lebensbereichen. Zu den größten Abnehmern gehören Philips, Canon, ASM und Hewlett Packard.

Dass die Berliner Glas KG trotz des Wachstums immer noch ein Familienbetrieb ohne Fremdbeteiligung ist, ist ein Verdienst von Herbert Kubatz. "Ich hatte früher auch einmal ein paar zarte Wünsche, etwas anderes zu machen", gibt er zu. Als er nach dem BWL-Studium und anschließender Promotion an der Berliner Technischen Universität 1965 in das väterliche Unternehmen eintrat, hatte er sich der Firma aber ganz verschrieben. Die patriarchalische Unternehmensführung habe er allerdings frühzeitig abgelegt und auf Teamarbeit gesetzt.

Oberste Priorität hatte und hat dabei immer die Zukunft und das Wohl der Berliner Glas KG. Da seine beiden Töchter den Betrieb nicht übernehmen wollen, werden zwei junge Mitarbeiter das Unternehmen führen, die Herbert Kubatz über Jahre darauf vorbereitet hat. Ganz möchte er die Geschäfte aber noch nicht aus der Hand geben: "Ich möchte den Betrieb noch möglichst lange begleiten, sofern es die Gesundheit zulässt." Seine 63 Jahre sieht man Kubatz nicht an. Das mag an seinem Trainingsprogramm liegen: 5,5 Kilometer um den Schlachtensee joggt er fast täglich. Außerdem spielt er Tennis und schwimmt. Eine weitere große Leidenschaft ist die Musik. Er spielt Klavier. Da muss es auch nicht immer Klassik sein. Die Mitglieder vom Tennis-Club Blau-Weiß kommen bei Feiern schon mal in den Genuss seiner "Unterhaltungs-Musik". Vielleicht lässt er sich überzeugen und spielt beim 50-jährigen Firmenjubiläum im nächsten Jahr etwas aus seinem Repertoire.

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