Berliner Start-up : Schneller Durchblick

Medneo investiert in neue Geräte für Magnetresonanztomographie. Das soll die Versorgung der Patienten verbessern.

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Neue Praxis. Die Magnetresonanztomographie in der Reinhardtstraße. Foto: Medneo
Neue Praxis. Die Magnetresonanztomographie in der Reinhardtstraße. Foto: Medneo

Die Schnittbilder vom Inneren des menschlichen Körpers sind auch für Laien beeindruckend. Vor allem aber liefert die Magnetresonanztomographie (kurz: MRT) Ärzten hilfreiche Bilder für ihre Therapieempfehlungen. MRT ist ein diagnostisches Verfahren, das mit starken Magnetfeldern und Radiowellen arbeitet, bei den Aufnahmen entsteht also keine belastende Röntgenstrahlung. Doch viele gesetzlich versicherte Patienten in Deutschland müssen bis zu sechs Wochen auf einen Termin warten. „Es gibt zwar genug Geräte in Deutschland“, sagt André Glardon von Medneo. „Sie sind aber oft sehr schlecht ausgelastet.“

Glardon und seine Partner Matthias Issing und Nicolas Weber wollen dies ändern und die Versorgung – gerade von Kassenpatienten – verbessern. Die drei Manager haben alle in der Medizintechnik von Siemens gearbeitet, bevor sie Medneo gründeten. Das Marktvolumen aller MRT-Untersuchungen in Europa liege bei circa fünf Milliarden Euro, mit einem jährlichen Wachstum von acht Prozent in Deutschland, sagt Glardon.

Viele Radiologen scheuen die hohen Investitionen, da ein modernes MRT-Gerät eine Million Euro und mehr kostet. Bereits heute gibt es Apparategemeinschaften, in denen sich mehrere Radiologen ein Gerät teilen. Diesen Prozess wollen Glardon und seine Partner professionalisieren. Ihr Konzept: Radiologie als reine Dienstleistung. Medneo stellt die Geräte und die gesamte Infrastruktur inklusive der Datenverarbeitung zur Verfügung. Die Ärzte bezahlen nur, was sie tatsächlich nutzen – ohne selbst investieren zu müssen. Am ersten Standort von Medneo in der Reinhardtstraße in Berlin- Mitte sollen einmal bis zu acht selbstständige Radiologen tätig sein. Der Vorteil für den Patienten: Kurze Wartezeiten, Öffnungszeiten von Montag bis Samstag von sechs bis 24 Uhr – und immer das neueste Gerät. Die AOK Nordost hat bereits einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Bis zu 20 Zentren will Medneo in Deutschland und im Ausland errichten. Das Startkapital von mehreren Millionen Euro kommt von Geldgebern aus der Gesundheits- und Finanzbranche, eine Million Euro gab die Investitionsbank Berlin.

„So ganz neu ist die Idee nicht“, meint dagegen Markus Henkel, Geschäftsführer beim Berufsverband der Radiologen in München. „Ich bezweifle, dass dies Modell an der Patientenversorgung maßgeblich etwas verbessern wird.“ Das Grundübel sei ja keineswegs, dass es zu wenig Geräte gebe. Vielmehr werde es durch die Honorarbudgetierung verursacht.

Die erfahrene Radiologin Gisela Stobbe jedenfalls reizt das neue Konzept. „Die Ausstattung ist toll und das Team ist hoch motiviert“, sagt sie. Ihr mache die Arbeit hier Spaß.

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