Wirtschaft : Berliner Volksbank hält an Misgeld fest

BERLIN (dr).Bei der Berliner Volksbank bleibt man gelassen, nachdem dem Vorstandssprecher Ulrich Misgeld, seinem Amtsvorgänger Heinz-Dieter Prüske und weiteren fünf Beschuldigten - darunter die Euwo-Manager Peter Schiansky, Hermann Breitegger und Holger Rausch - die Anklageschrift zugestellt worden ist.Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlichen Betrug sowie den Bankmanagern darüber hinaus Untreue zu Lasten der Volksbank vor.Misgeld und Schiansky waren sogar in Untersuchungshaft genommen, und erst gegen Kaution wieder freigelassen worden.

Es geht um die Zeichnung von Immobilienfonds.Bei den Fonds handelt es sich um die ehemalige Zigarettenfabrik Dresdner Tabakmoschee und ein Bürohaus am Brunsbüttler Damm in Spandau.Die Banker sollen den Anlegern vorgespielt haben, die Euwo sei solide, obwohl ihnen das Gegenteil bekannt gewesen sei.Auch soll die Volksbank der Gruppe umfangreiche Kredite mit erheblichen Blankoanteilen zur Verfügung gestellt haben.Betroffen sind laut Anklageschrift rund 600 Anleger, der Schaden soll sich auf 130 Mill.DM belaufen.

Bei der Volksbank will man zum aktuellen Stand keine Stellungnahme abgeben, verweist aber darauf, daß der Aufsichtsrat Misgeld im Sommer mehrfach sein uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen habe.Der Volksbank-Aufsichtsratsvorsitzende und Handwerkskammerpräsident, Hans-Dieter Blaese, hatte Anfang September erklärt, vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Gutachten belegten, daß Misgeld kein schuldhaftes Verhalten vorzuwerfen sei.Die Anwälte der Beschuldigten hatten nach der Anklageerhebung gerügt, ihren Mandanten sei kein ausreichendes rechtliches Gehör gewährt worden.Die Staatsanwaltschaft habe die Anwälte "überrumpelt".

Nun haben die Anwälte die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.Nach Auskunft der Justizpressestelle wird für eine Erwiderung eine "geräumige Frist" zur Verfügung stehen.Erst danach entscheidet der Richter, ob er die Anklage zuläßt und es zu einer Hauptverhandlung kommt.Misgelds Verteidiger Egon Müller hat zudem angekündigt, daß er eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht nicht ausschließt.

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