Wirtschaft : Berliner Wirtschaft glaubt an den Aufschwung

IHK-Umfrage: Stimmung so gut wie seit Jahren nicht

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Wirtschaftslage in Berlin und Brandenburg hellt sich auf. Der Konjunkturklima-Index, den die Industrie- und Handelskammern (IHK) der Region per Umfrage ermitteln, stieg innerhalb eines Jahres auf den höchsten Wert seit 1996. „Für die Wirtschaft hat der Frühling bereits begonnen“, sagte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, am Freitag bei der Vorstellung der Umfrage. Im günstigsten Fall werde es beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in der Hauptstadt „eine Eins vor dem Komma geben“, in Brandenburg sei mit einem halben Prozent zu rechnen.

Der IHK-Index stieg um 14 auf 110 Punkte. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch der Aussichten für die kommenden Monate fielen bei den Unternehmen deutlich positiver aus. 27 Prozent der Firmen gehen von günstigeren Geschäften in der nächsten Zeit aus, 54 Prozent erwarten keine Veränderung, und nur 19 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung – vor einem Jahr waren noch 30 Prozent pessimistisch. Vor allem die Unternehmen in Berlin seien zuversichtlicher geworden, sagte Eder. Aber auch in Brandenburg gehe es langsam aufwärts.

Dabei setzen die Firmen in der Stadt vor allem auf die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer. Sie allein werde die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent steigern – „es geht um Einnahmen von 500 Millionen Euro“, kalkulierte Eder. Damit verbunden seien rund 10 000 neue, allerdings befristete Arbeitsplätze. Die Stütze des Wachstums sei aber trotz allem die Industrie. Eder: „Den Sektor dürfen wir trotz vieler Probleme nicht abschreiben.“ Die Signale für eine Belebung kämen auch in erster Linie von dort. 28 Prozent der Industriebetriebe gehen von besseren Geschäften aus, während es bei den Dienstleistern 24 und im Handel 21 Prozent sind. Bei den Bauunternehmen (acht Prozent) und der Verkehrsbranche (17 Prozent) sind indes nur wenige vom Aufschwung überzeugt.

Einen wichtigen Grund für den nur verhaltenen Optimismus in der Brandenburger Wirtschaft sehen die IHK-Experten in der geringeren Exportquote der Industrie: Während 30 Prozent der in Berlin produzierten Waren ins Ausland verkauft würden, seien es nur 22 Prozent bei den in Brandenburg hergestellten. Im Bundesschnitt liegt die Exportquote bei etwa 40 Prozent.

Ein Risiko für die Konjunktur und vor allem für die Stimmung sei allerdings der laufende Prozess um den Ausbau des Schönefelder Flughafens, sagte Eder. Sollte ihn das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Ende nicht genehmigen, „geht psychologisch etwas schief – dann würde ich auch meine Wachstumsprognose nicht mehr aufrechterhalten“.

Auf den Arbeitsmarkt dürfte sich die absehbare Belebung nach IHK-Erkenntnissen kaum auswirken. „Das wäre erst bei einem Wachstum von zwei Prozent und mehr drin“, sagte Joachim Linstedt, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. Die Unternehmen seien noch unsicher, ob es sich um ein konjunkturelles Strohfeuer oder um einen dauerhaften Aufschwung handele. Der Umfrage zufolge wollen 20 Prozent der befragten Firmen in der gesamten Region ihr Personal aufstocken, in Berlin sind es sogar 30 Prozent. Einen Stellenabbau planen dagegen insgesamt 23 Prozent, in Berlin sind es nur 15 Prozent.

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