Wirtschaft : Berliner Wirtschaft wächst erstmals seit 2000

Nach vier Minus-Jahren meldet die IHK ein Plus von 0,8 Prozent für 2004/Handwerk bleibt zurück

Alfons Frese

Berlin - Die Berliner Wirtschaft „nimmt wieder Fahrt auf“. Zu diesem Ergebnis kommt die erste gemeinsame Konjunkturumfrage von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer. IHK-Präsident Eric Schweitzer sagte am Freitag bei der Vorlage des Konjunkturberichts, er erwarte in diesem Jahr ein Wachstum von 0,8 Prozent. Damit wachse die Berliner Wirtschaft erstmals wieder seit dem Jahr 2000. Der Abstand zum Bundesdurchschnitt wird indes noch immer nicht wettgemacht. In Deutschland insgesamt rechnen die Konjunkturforscher im laufenden Jahr mit einer Wachstumsquote von 1,8 Prozent.

Schlechter als der Wirtschaft insgesamt geht es dem Handwerk. Dessen Präsident Stephan Schwarz sieht immerhin darin einen leichten Hoffnungsschimmer, dass der Arbeitsplatzabbau in diesem Jahr weniger drastisch ausfällt als zuletzt. Gegenwärtig beschäftigen die knapp 30000 Berliner Handwerksbetriebe 187000 Arbeitnehmer, das sind 6000 weniger als noch zu Beginn des Jahres. Als Ursache für die triste Lage nannte Schwarz die schwache Binnenkonjunktur. Die Betriebe seien derzeit nur zu 72 Prozent ausgelastet und der Auftragsbestand reiche gerade mal für vier Wochen. „In so einer Situation werden keine Mitarbeiter eingestellt“, sagte Schwarz. Investitionen würden von den Betrieben hinausgeschoben.

Im Rahmen der Konjunkturumfrage beantworteten im September knapp 1400 Unternehmen Fragen zur aktuellen Lage, zu Geschäftserwartungen sowie zu Beschäftigungs-, Investitions- und Exportplänen. Eine positive Stimmung gibt es vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistern und in der Industrie. Unverändert schlecht ist die Lage in der Bauwirtschaft, eine leichte Besserung zeichnet sich im Handel ab. Das alles in allem erfreuliche Gesamtbild strahlt allerdings nicht auf den Arbeitsmarkt aus. Noch immer liegt der Anteil der Firmen, die Personal abbauen, mit 31 Prozent deutlich über denen, die in den kommenden zwölf Monaten einstellen wollen (18 Prozent). IHK-Präsident Schweitzer appellierte an die Politik, mit weiteren Deregulierungen, Entbürokratisierungen und Privatisierungen den Standort attraktiver zu machen. Er kritisierte die Erhöhung der Wasserpreise um 5,4 Prozent im kommenden Jahr und äußerte die Erwartung, in 2006 mit einem differenzierten Wasserpreissystem zu einer Entlastung für die Wirtschaft zu kommen. Zur Vermarktung der Region Berlin-Brandenburg regte Schweitzer die Zusammenführung der beiden Wirtschaftsförderungsgesellschaften unter dem Dach einer Holding „so schnell wie möglich“ an.

Nach Angaben des IHK-Präsidenten haben die Berliner IHK-Betriebe in diesem Jahr fast neun Prozent mehr Ausbildungsplätze angeboten, im Handwerk blieb das Niveau bei 4500 Plätzen unverändert, was Schwarz in Anbetracht der Branchenlage als Erfolg wertete. Der Handwerkspräsident äußerte im Übrigen Zweifel an der Ausbildungsbereitschaft vieler Jugendlicher. Im Rahmen einer Nachvermittlungsaktion der Kammern seien 5500 noch nicht vermittelte Jugendliche angeschrieben und zur Beratung geladen worden. Nur 1900 seien erschienen.

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