Wirtschaft : Berlins Handwerk unter Druck

Sanitär- und Klimabetriebe leiden unter sinkender Baukonjunktur BERLIN (olm).Die von der Baukonjunktur abhängigen Handwerksbetriebe in Berlin stehen auch weiter unter Druck.Das spüren nicht zuletzt die in den Branchen Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) zusammengeschlossenen Gewerke.Wie die IG Metall am Dienstag während einer Branchenkonferenz mitteilte, wird mit der Fertigstellung vieler Großbauprojekte der regionale Markt dieses Sektors weiter schrumpfen.Nach der guten Entwicklung in den Boomjahren 1994-1996 steht das Barometer damit auf Talfahrt.In einer von der Hans-Böckler-Stiftung erstellten Studie geht der Verfasser Christoph Scheuplein davon aus, daß die Entwicklung in Berlin von Umsatzrückgängen und noch stärker von Beschäftigungseinbrüchen begleitet wird.Schon in der Vergangenheit waren die Beschäftigten der Gewerke Zentralheizungs- und Lüftungsbauer in besonderem Maße betroffen.Während sich die Zahl der Betriebe von 1994 bis 1997 hier sogar noch erhöhte (von 601 auf 616), ging die Beschäftigung im gleichen Zeitraum um 13,5 Prozent zurück.Im übrigen Baugewerbe gab es eine ähnliche Differenz zwischen Umsatz und Arbeitsvolumen.Die gestiegene Produktivität wird in der Studie auch als eine Folge möglicher Arbeitsverdichtung, nicht-verrechneter Überstunden und illegaler Beschäftigung gewertet.Anders als die Klempner, Gas- und Wasserinstallateure machten Berlins Heizungs- und Lüftungsbauer die besseren Geschäfte und setzten sich bereits 1996 positiv vom allgemeinen Trend ab.Sie erwirtschafteten mit 182 000 DM pro Beschäftigten einen Umsatz oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts.Insgesamt aber wird die SHK-Branche der Konjunkturkrise am Bau nicht ausweichen können.Das Bauhauptgewerbe rechnet im laufenden Jahr mit Umsätzen von nur noch 80 Prozent des Vorjahresniveaus.Die Fachgemeinschaft Bau geht davon aus, daß 1998 von den zur Zeit noch 110 000 Arbeitsplätzen im Baugewerbe Berlins und Brandenburgs noch einmal bis zu 20 000 Jobs gestrichen werden.Das betrifft natürlich auch die Ende 1997 in der Handwerksrolle eingetragenen 2067 Betriebe der drei SHK-Gewerke.Wie ernst die Situation ist, zeigt ein Blick auf die gestiegene Zahl der Konkurs- und Vergleichsverfahren.1996 betrug die SHK-Insolvenzquote 30,9; auf 1000 Betriebe entfielen also 30,9 Konkurse.Die Zahlen waren 1997 zwar leicht rückläufig, lassen aber aus Sicht der Branche noch keine Entwarnung zu.Beklagt wird in Berlin bei einem um rund zehn DM höheren Ecklohn vor allem das Lohngefälle zum Nachbarn Brandenburg.Für Jörg-Wilhelm Hohls vom Wirtschaftssenat steht dennoch fest, daß es regionalen Protektionismus zum Schutz Berliner Unternehmen nicht geben darf.

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