Wirtschaft : Bertelsmann kommt in Schwung

Medienkonzern verdient kräftig im Fernsehgeschäft, saniert seine Musiksparte und geht auf Einkaufstour

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Berlin Bertelsmann baut das schwierige Fernseh- und Musikgeschäft weiter aus und sieht sich nach möglichen Übernahmekandidaten um. „Bertelsmann gewinnt immer mehr Spielraum für Investitionen zur Stärkung unserer Kerngeschäfte sowie zur Expansion in neue Wachstumsmärkte“, sagte Konzernchef Gunther Thielen am Mittwoch anlässlich der Vorstellung der Halbjahresbilanz in Gütersloh. „Die sich bietenden Chancen werden wir konsequent nutzen.“ Thielen bekräftigte damit seinen vor einem halben Jahr ausgerufenen Strategiewechsel, wonach Europas größter Medienkonzern nach zwei Jahren Wachstumspause wieder aggressiver expandieren will.

Grund zu neuem Selbstbewusstsein hat Thielen vor allem, weil der Medienkonzern trotz der anhaltenden Werbeflaute seine Ziele im ersten Halbjahr erreicht hat: Der Betriebsgewinn hat sich auf 596 Millionen Euro fast verdreifacht und auch beim Nettogewinn (446 Millionen Euro) und Umsatz (8,13 Milliarden Euro) legte Bertelsmann deutlich zu. Die Sparten Fernsehen (RTL), Musik (BMG), Druckereien (Arvato) und Buchverlage (Random House) konnten allesamt zulegen. Buchclubs (Direct Group) und Zeitschriften (Gruner+Jahr) fielen hingegen zurück. Finanzchef Siegfried Luther bekräftigte dennoch das Ziel, im Gesamtjahr das operative Ergebnis und den Umsatz steigern zu wollen.

Enttäuschend verläuft das Geschäft der Buchclubs (siehe Kasten), die im ersten Halbjahr rote Zahlen (minus 16 Millionen Euro) schrieben. Bei der Vorlage der Bilanz für das Jahr 2003 war Buchclub-Chef Ewald Walgenbach im März noch gefeiert worden, weil er im Jahr 2003 einen kleinen Gewinn erzielt hatte. Schwierig gestaltete sich das Halbjahr auch für Gruner+Jahr (G+J). Der Verlag musste wegen Anlaufkosten für neue Projekte und nach dem Verkauf des osteuropäischen Zeitschriftengeschäfts einen auf 1,2 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz hinnehmen. Der Gewinn fiel um 15 Millionen Euro auf 96 Millionen Euro. Bertelsmann sprach dennoch – nach Abzug von Währungseinflüssen und Portfolioveränderungen – von „solidem, organischem Wachstum“ bei G+J.

Ungetrübt dürfte die Freude über den größten Umsatz- und Ergebnisträger des Bertelsmann-Konzerns sein. Die RTL Group hat mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz den größten Anteil an der positiven Geschäftsentwicklung. Der operative Gewinn des größten Fernsehanbieters in Europa stieg auf 373 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 250 Millionen). Die britische BBC bestätigte am Mittwoch, sie habe mit Bertelsmann über einen Verkauf ihrer Sparte BBC Worldwide gesprochen. Gespräche habe es auch mit Time Warner und Disney gegeben.

Deutlich verbessert hat sich im ersten Halbjahr auch die Situation der Musiksparte BMG, die – als Reaktion auf den Einbruch des klassischen Musikträgervertriebs – im August die Fusion mit Sony Music vollzogen hat. BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz steigerte das operative Ergebnis auf 74 Millionen Euro nach einem Verlust von 135 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Ausgezahlt haben sich für BMG vor allem die radikale Reduzierung der Künstlerkartei sowie Chart-Erfolge von Stars wie Avril Lavigne, Outkast oder Usher. Der Umsatz kletterte von 1,08 auf 1,19 Milliarden Euro.mot

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