Wirtschaft : Bertelsmann kommt voran

Medienkonzern verkauft Musikverlag an Universal, einigt sich im Napster-Streit und macht wieder in allen Sparten Gewinn

Henrik Mortsiefer

Berlin - Europas größter Medienkonzern, die Bertelsmann AG, hat nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr wichtige Weichenstellungen im schwächelnden Musikgeschäft vorgenommen. Zugleich reduzierte das Unternehmen seine hohen Schulden, die nach dem Rückkauf eines Aktienpakets von den belgischen Anteilseignern GBL für 4,5 Milliarden Euro aufgelaufen sind. Die Familie Mohn hatte im Frühjahr mit dem Rückkauf einen Börsengang verhindert und die Kontrolle über das Unternehmen vollständig zurückgewonnen. Wegen des hohen Kapitaleinsatzes ist Bertelsmann allerdings zu einer Expansionspause gezwungen. 2006 will Bertelsmann Umsatz und Ergebnis um zehn Prozent steigern.

Wie der Gütersloher Konzern am Mittwoch mitteilte, wurde der Musikverlag BMG Music Publishing für 1,63 Milliarden Euro an die Tochter des französischen Medienunternehmens Vivendi, Universal Music, verkauft. Universal, schon jetzt im Tonträgergeschäft Weltmarktführer, wird damit auch zum weltgrößten Musikverlag. Er verwaltet die Rechte zahlreicher Superstars, darunter Robbie Williams, Christina Aguilera oder Coldplay. Sein Deutschlandgeschäft managt Universal Music von Berlin aus. BMG Music Publishing besitzt einen Katalog von über einer Million Musikstücken. Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy nannte den Kauf „historisch“. Die EU-Kommission kündigte an, das Geschäft genau zu überprüfen. Bertelsmann rechnet damit, den Verkauf noch 2006 verbuchen zu können.

Die Gütersloher erzielten mit Universal eine weitere bedeutsame Einigung: Bertelsmann überweist 60 Millionen Dollar (47 Millionen Euro), um den jahrelangen Streit um die Internettauschbörse Napster beizulegen. Ein Schuldeingeständnis, mit Investitionen für Napster den illegalen Vertrieb von urheberrechtlich geschützter Musik unterstützt zu haben, sei damit aber nicht verbunden, betonte der Konzern. In den Jahren 2000 und 2001 hatte sich Bertelsmann mit mehr als 80 Millionen Dollar bei Napster engagiert. Ex-Konzernchef Thomas Middelhoff hatte für die Tauschbörse gute Geschäfte gewittert. Universal sowie andere Musikkonzerne und Verleger hatten Bertelsmann auf 17 Milliarden Dollar (13,3 Milliarden Euro) Schadenersatz für illegale Musik-Downloads verklagt.

„Unsere Geschäfte laufen gut, die Investitionsoffensive des vergangenen Jahres trägt sichtbar Früchte“, sagte Vorstandschef Gunter Thielen bei einer Telefonkonferenz. Bertelsmann schreibe nun in allen Geschäftsbereichen – also auch mit den Buchclubs – wieder schwarze Zahlen und sei „optimal aufgestellt, um ertragsorientiertes Wachstum zu generieren“. Das Ziel einer Umsatzrendite von mehr als zehn Prozent könne man schon 2007 erreichen. Im kommenden Jahr muss Bertelsmann allerdings bei den Investitionen kürzer treten. 8,7 Milliarden Euro Schulden, die sich jetzt um den Verkaufserlös für den Musikverlag reduzieren, bremsen das Wachstum. „Investitionen, die für unsere operativen Kerngeschäfte nötig sind, werden aber nicht angetastet“, schränkte Thielen ein. Ab 2008 stehe dem Unternehmen das jährlich vorgesehene Volumen von einer Milliarde Euro wieder zur Verfügung. „Das brauchen wir, um jedes Jahr um fünf bis acht Prozent wachsen zu können“, sagte Thielen. Expansionschancen sieht er vor allem in Osteuropa und im Internet. Neue Online-Geschäftsideen will Bertelsmann künftig wieder mit einem eigenen Venture-Fonds, der 50 Millionen Euro zur Verfügung hat, fördern. „Wir wollen junge Unternehmen finden und an uns binden“, sagte Thielen. Spektakuläre Übernahmen seien aber in den kommenden zwei Jahren nicht zu erwarten.

An dem gemeinsamen Musikkonzern Sony BMG, dessen Fusion vom Europäischen Gerichtshof untersagt worden war, will Bertelsmann festhalten. Der EU-Kommission soll noch im Herbst eine aktualisierte Stellungnahme zu der gerichtlichen Untersagung vorgelegt werden.

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