Berühmte Brüder : Chris Sander, Pionier der Bioinformatik, und Otto Sander, der Schauspieler

Chris Sander ist jüngstes Mitglied der "Hall of Fame". Er kommt aus einer großen Familie.

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Die Familie: von links: Otto Sander, Chris Sander, Marianne Sander, Adolf Sander
Die Familie: von links: Otto Sander, Chris Sander, Marianne Sander, Adolf SanderFoto: privat

Als Kinder haben sie zu Hause zusammen Theater gespielt, immer zu Weihnachten gab es eine Aufführung. Dann trennten sich die Wege der Brüder. Chris Sander wurde erst Physiker, dann Bioinformatiker, war zu Hause in aller Welt. Otto Sander wurde ein großer Schauspieler, unvergessen auch nach seinem Tod im September 2013. Nicht nur die legendären Auftritte in der Schaubühne, auch seine Rollen in Filmen wie „Der Himmel über Berlin“ und „Das Boot“ bleiben im Gedächtnis. Durch den älteren Bruder und die ebenfalls hier lebende jüngere Schwester wurde Berlin für den Harvard-Professor zum Lebensmittelpunkt in Deutschland. Ein weiterer Bruder lebt als Anwalt in West-Deutschland. Was die Geschwister mitgenommen haben aus der Kindheit? Eine zentrale gemeinsame Quelle sieht Sander in dem Mut zum Anderssein, den die Eltern den Kindern mitgegeben haben. Nach dem Krieg, wo auf dem Schulweg rechts und links viele Ruinen zu sehen waren, wurde ihnen Optimismus vermittelt, Zukunftsglaube, das Gefühl, das alles besser wird. Der Vater war Ingenieur, war im Krieg Marineoffizier. Er legte Wert auf Selbstvertrauen und schärfte den Kindern ein: „Denkt an die Welt, nicht nur an unser Land.“ Die Geschwister haben das bei allen Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert waren, jeweils auf eigene Weise umgesetzt. Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Nachdenklichkeit, das waren Werte, die auch der Besuch des Humanistischen Gymnasiums vertieft hat bei den Geschwistern. Immer sei man angehalten worden, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Von Otto Sander lernen: "Wie man aufsteht"

Von seinem großen Bruder spricht Sander noch heute mit Bewunderung. Wie er schon als 9-Jähriger im Familienkreis „Der Tod von Mozart“ inszeniert hat. Da hat er selber natürlich auch mitgespielt. Er habe von dem Schauspieler-Bruder später noch vieles für den eigenen Beruf gelernt: „Wie man aufsteht. Wie man geht. Welche Wirkung man durch Körpersprache erzielt.“ Als Wissenschaftler tritt er auf einer Bühne auch mit einer eigenen Dramaturgie auf, muss sich Gedanken machen über Wirkung. Für ihn gibt es große Parallelen zwischen Schauspielern und Wissenschaftlern. Wie knüpft man an die Bilder an, die Menschen im Kopf haben? Wie führt man sie einen Schritt weiter? Die Komik des Bruders sei sehr subtil gewesen, sagt er. Und er weiß auch, dass er das vom Großvater hatte, der einen großen feinfühligen Humor besaß.

Der Krebsforscher verliert den Bruder an Krebs

Wie schwer ist es, als Krebsforscher einen Bruder an den Krebs zu verlieren? Für die Antwort lässt er sich Zeit. Es hat ihm Eindruck gemacht, dass sein Bruder nicht den Kampf gegen den Krebs, nicht das Leiden zum Hauptthema gemacht hat, sondern dass er bis zum Schluss Dinge gemacht hat, die ihm Freude bereiteten. Als Wissenschaftler sieht er das so: „Wichtig ist das Leben mit dem Krebs, trotzdem weitermachen, was man noch kann. Die Lebensqualität kann durch bessere Therapien gesteigert werden.“ Zur Theaterfamilie seines verstorbenen Bruders, zu Monika Hansen und den Kindern Meret und Ben Becker hat er einen guten Kontakt. Er sieht sich gerne den Film „Comedian Harmonists“ an, in dem sie alle mitspielen. „Das berührt mich jedes Mal.“

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