Berufsausbildung im Handwerk : Lehrlinge im Handwerk sind rar

In deutschen Handwerksbetrieben sind derzeit mehr als 20000 Ausbildungsplätze unbesetzt - auch in Berlin.

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Maler-Azubis bei der Ausbildung.
Maler-Azubis bei der Ausbildung.Foto: picture alliance / dpa

Dem deutschen Handwerk geht der Nachwuchs aus. Einen Monat nach dem Start des Ausbildungsjahres gibt es in der gesamten Bundesrepublik 20000 unbesetzte Lehrstellen. Das seien „deutlich mehr als 2015“, sagte der Präsident des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, der „Bild“-Zeitung. Wollseifer erneuerte zugleich die Kritik an einer „Überakademisierung“ in Deutschland und forderte eine Aufwertung der Ausbildung. „Eine Lehre muss endlich wieder den gleichen Stellenwert haben wie ein Studium“, sagte er. Wichtig sei dafür unter anderem, die Hauptschulen „leistungsfähig“ zu halten. „Es wurde zuletzt viel für die Gymnasien und Gesamtschulen getan, jetzt sollten die anderen Schultypen dran sein“, forderte der Handwerkspräsident.

In Berlins sind mehr als 630 Lehrstellen unbesetzt

Auch viele der rund 30000 Berliner Handwerksbetriebe suchen derzeit Azubis. Laut Online-Lehrstellenbörse der hiesigen Handwerkskammer sind in der Hauptstadt aktuell mehr als 630 Ausbildungsplätze im Handwerk zu besetzen – vom Änderungsschneider über Dachdecker, Hörgeräteakustiker, Maler und Lackierer bis zum Zerspanungsmechaniker. Besondere Engpässe beim Nachwuchs gibt es den Zahlen zufolge im Moment bei den Gebäudereinigern: Hier sind mehr als 120 Lehrstellen zu besetzen. Ebenfalls gefragt sind angehende Friseure, Fachverkäufer in Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien, Anlagenmechaniker für Sanitär- und Heizungstechnik sowie Augenoptiker und Schornsteinfeger.

Das Berliner Handwerk bietet potenziellen Lehrlingen eine Einstiegsqualifizierung

Dass in Berlin zum aktuellen Zeitpunkt noch viele Ausbildungsplätze unbesetzt sind, sei zum einen mit dem schlechten Image bestimmter Berufe, zum anderen aber auch mit dem im Vergleich zur Industrie häufig zeitversetzten Lehrbeginn zu erklären. Im Handwerk starten viele Berufsausbildungen erst Anfang November, während die Lehre in den meisten Industriebetrieben schon im August oder September beginnt. Viele Handwerksbetriebe bieten potenziellen Lehrlingen als Einstiegsqualifizierung vor dem Ausbildungsbeginn ein mehrmonatiges Praktikum an, um die Bewerber kennenzulernen.

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