Betriebsversammlungen : Bei VW stehen die Bänder still

Im VW-Konzern bahnt sich ein Machtkampf zwischen den Betriebsrat und dem Porsche-Konzern an. Die Beschäftigten haben die Arbeit am Nachmittag niedergelegt und sind zu Infoveranstaltungen gegangen. Die Bänder sollen für drei Stunden still stehen.

Markus Mechnich
Volkswagen
Alle Räder stehen still: Die VW-Belegschaft ist fast geschlossen zu Betriebsveranstaltungen gegangen. -Foto: dpa

WolfsburgDie Beschäftigten des Volkswagen-Konzern sind an sechs deutschen Standorten zu Info-Veranstaltungen des Betriebsrats gegangen. Die Arbeit in der Produktion ruht für mindestens drei Stunden, bis in die Nachtschicht hinein. Aufgrund der zu erwartenden Mehrheitsbeteiligung von Porsche wollen die Gewerkschafter über die Mitbestimmung in dem europäischen Autokonzern informieren. VW-Betriebsrat Wehlauer sagte, es gäbe eine große Verunsicherung in der Belegschaft und man wolle über die künftigen Strukturen aufklären.

Seit dem Fall des VW-Gesetzes rumort es gewaltig im VW-Konzern. Die Angst vor Großinvestor Porsche geht um. Noch bevor die Übernahme perfekt ist, an der niemand mehr ernsthaft zweifelt, werden die künftigen Macht-Strukturen des Konzerns geschaffen. Genau das ist Kern des Streits zwischen dem VW-Betriebsrat und dem Management der Porsche Holding. Beide Seiten gehen zunehmend auf Konfrontationskurs.

VW-Mitarbeiter ohne Veto-Recht

Wie die künftige Machtverteilung aussehen soll haben, so der VW-Betriebsrat, Vorstandschef Wendelin Wiedeking mit seinem Betriebsratschef Uwe Hück und IG Metall-Vertretern allein im stillen Kämmerlein ausgehandelt. VW und seine 325.000 Mitarbeiter fühlen sich nicht ausreichend berücksichtigt. Sie sollen, ebenso wie die etwa 11.400 Mitarbeiter der Porsche-Belegschaft, drei Sitze im Aufsichtsrat bekommen. Im Gegensatz zu Porsche wird ihnen aber kein Veto-Recht eingeräumt.

Die IG Metall vermittelt in dem Konflikt. Gewerkschaftsboss Peters brachte die Beteiligten an einen Tisch, stellt sich aber klar an die Seite von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Die Vorgänge seien auch mit seinem Demokratieverständnis nicht vereinbar. Hartnäckig halten sich auch Gerüchte über eine Zerschlagung des Konzerns. Der Konzern solle seiner Filetstücke, vor allem Audi, beraubt werden. Porsche-Chef Wiedeking ist hingegen stinksauer wegen der heutigen Aktion. Im Vorfeld machte er immer wieder deutlich, dass es sich um eine Übernahme handele. Es sei klar wer das Sagen hat. An seiner Seite weiß er den Porsche-Betriebsratschef Hück. Der tönte bereits am Wochenende: "Die Zeit der Weicheier ist vorbei." Mächtig Zündstoff bei Europas größtem Autobauer.

Haustarifvertrag eine "heilige Kuh"

Wiedeking fährt bei der VW-Übernahme einen harten Kurs gegenüber den mächtigen Betriebsräten von Volkswagen. Den Haustarifvertrag nannte der kernige Porsche-Chef eine "heilige Kuh". In einem integrierten Konzern könne er sich so was nicht vorstellen. Ein Frontalangriff für die VW-Gewerkschaft. "Da gibt es natürlich Ängste in der Belegschaft", erklärt Betriebsrat Wehlauer. Traditionell haben die Arbeitnehmervertreter eine starke Stellung in dem Auto-Konzern, weshalb auch oft von der "Wolfsburger Idylle" die Rede ist.

Der heutige Ausstand könnte nur der Anfang eines langwierigen Machtkampfes sein. Die mächtigen Gewerkschaften werden nicht tatenlos zusehen, wie sie in einem neuen Konzern entmachtet werden. Wie weit der Arm des Betriebsrates reicht soll die heutige Aktion zeigen. Umgekehrt wird Porsche-Chef Wiedeking zeigen wollen, dass er bereit ist mit einigen Besitzständen aufzuräumen. Seine Taktik ist Zuckerbrot und Peitsche. Die Porsche-Mitarbeiter bekamen erst kürzlich zu den 13,8 Gehältern eine Bonuszahlung von 5200 Euro. Auch ein Zeichen an die VW-Belegschaft: Wenn Geld verdient wird, geht es auch den Arbeitnehmern gut. 

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