Wirtschaft : Bewegung in Europas Baustoffindustrie / Lafarge-Offerte bestätigt

Auch in den Markt der europäischen Baustoffindustrie kommt Bewegung. Nachdem am Montag bekannt wurde, dass der weltgrößte Baumaterialhersteller, Lafarge, den führenden britischen Zementhersteller Blue Circle Industries, London, übernehmen will, hieß es am Dienstag, die BayWa AG, München, wolle die Stinnes-Baustofftochter Raab Karcher kaufen und mit weiteren Zukäufen zu einem der führenden europäischen Handels- und Dienstleistungsunternehmen aufsteigen. Die Verhandlungen mit Stinnes könnten bis März zu einem Ergebnis kommen, sagte BayWa-Chef Wolfgang Deml am Dienstag in München. Im vergangenen Jahr zog der Umsatz des überwiegend genossenschaftlichen Baustoff- und Agrarhandelskonzern durch die Übernahme der Wiener RWA AG von 7,1 auf zehn Milliarden Mark an. Die Ergebnisse seien "eher besser als im Vorjahr" ausgefallen, als der Jahresüberschuss um mehr als 55 Prozent auf 14,6 Millionen Mark abgesackt war. Raab Karcher passe gut in das Konzept der BayWa, sagte Deml. "Derzeit sind wir vor allem in Bayern vertreten." Raab Karcher habe dagegen interessante Standorte im ganzen Bundesgebiet. Die beiden Unternehmen hätten eine ähnliche Geschäftsstruktur und seien im In- und Ausland aktiv. Durch den Schuldenabbau in den vergangenen Jahren habe die BayWa die Möglichkeit, einen Kauf zu finanzieren. Denkbar sei auch eine Kapitalerhöhung. Raab Karcher setzte laut letzten offiziellen Angaben in den ersten neun Monaten 1999 mit rund 7600 Mitarbeitern rund 3,4 Milliarden Mark um.

Aus eigener Kraft konnte die BayWa 1999 nur leicht wachsen. Die schwache Konjunktur habe das Geschäft stark beeinträchtigt, sagte Deml. Auch die Preise hätten sich als erneut "extrem rückläufig" erwiesen. So seien allein die Preise für Getreide in den letzten zehn Jahren um mehr als ein Drittel gefallen. Dünger verbilligte sich um zehn Prozent. Dennoch will die BayWa AG trotz anhaltender Preiserosion ihre Ertragskraft weiter stärken.

Aus Paris verlautete am Dienstag, Lafarge habe das Angebot an den britischen Zementhersteller Blue Circle Industries bestätigt. Bei einem Erfolg würde Lafarge der größte Zementhersteller der Welt. Blue Circle lehnte das Angebot von 420 Pence je Aktie allerdings als ungenügend ab. Das Angebot der Franzosen entspricht einem Übernahmepreis von umgerechnet über elf Milliarden Mark. Das ist pro Aktie einem Aufschlag von rund 22 Prozent auf Basis des letzten Kurs vor dem Übernahmeangebot. Allerdings konnten sich die Aktien von Bluce Circle nach Bekanntwerden der Pläne aus Paris um über 20 Prozent verbessern. Es ist mithin wahrscheinlich, dass Lafarge die Offerte nachbessern wird.

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