Bewerbung schreiben : Ein Leben auf zwei Seiten

Er ist Pflicht und Kür in jeder Bewerbung: der Lebenslauf. Welche Formen gängig sind, was rein gehört und was lieber nicht, zeigt unser Überblick.

Tina Groll

BerlinEgal ob Stichpunktesammlung oder Aufsatzform – es gibt wohl niemanden, der gern einen Lebenslauf schreibt. Je älter man wird und je mehr berufliche Stationen sich im Erwerbsleben gesammelt haben, desto größer ist die Herausforderung.

Was kann und was muss in einen Lebenslauf – und was sollte auf gar keinen Fall erwähnt werden? Wo darf geschönt werden und welche Floskeln führen sofort ins Aus?

Grundsätzlich gilt: Der Lebenslauf sollte so aussagekräftig wie möglich und sowohl auf den Bewerber als auch auf die Stelle, auf die man sich bewirbt, ausgerichtet sein. Er ist Werbemittel und Arbeitsprobe. Die Fakten müssen stimmen, der Text sollte leicht lesbar sein: klare, knappe, prägnante Sätze, ein übersichtliches Design, eine deutliche Gliederung. Mehr gibt es eigentlich nicht zu beachten, alles andere ist so individuell wie der Bewerber, die Stelle, die Branche und der Personaler.

Formen des Lebenslauf

Der klassische Lebenslauf, der in einem Fließtext die wichtigsten Stationen festhält, ist aus der Mode gekommen. Die kurze Tabellenform ist die Norm. Sie bietet einen Überblick über die wichtigsten beruflichen Daten eines Bewerbers und ist zeitsparend sowie leserfreundlich für den Personaler.

Besonders beliebt ist die amerikanische Version des Curriculum Vitae. Dabei steht die aktuelle Station an erster Stelle, die anderen folgen chronologisch rückwärts. Wer viele Stationen vorzuweisen hat und einige Berufsjahre an Erfahrung mitbringt, endet mit dem Studienabschluss, allenfalls dem Abitur. Jugendliche und junge Erwachsene, die sich auf eine Ausbildungsstelle, einen Studienplatz oder ein Praktikum bewerben, können ihren Lebenslauf hingegen chronologisch gestalten. Das stellt die bisherige Entwicklung heraus. Je nach Alter und Anzahl der bisherigen beruflichen Stationen, sollte abgewogen werden, welche als notwendig anzugeben sind.

Das gilt besonders für Absolventen, die sich um den ersten Job bewerben. Sie haben meist schon viele Praktika, Auslandsaufenthalte, befristete oder freiberufliche Tätigkeiten absolviert. Je nachdem, was man unterstreichen möchte, ist abzuwägen, ob eine chronologische Reihenfolge oder die amerikanische Variante sinnvoll erscheint.

Zusätzlich zum Lebenslauf hat sich in jüngster Zeit die sogenannte dritte Seite im Bewerbungsschreiben etabliert – ein Motivationsschreiben, das besonders für akademische Stellen verwendet wird. Das Schreiben legt in einer straffen, kohärenten Argumentation dar, warum sich der Bewerber ausgerechnet auf diesen Job bewirbt. Einsteiger betonen, welche berufliche Entwicklung sie nehmen wollen, Führunskräfte punkten mit einer klar fokussierten Leistungsbilanz und auch für die meisten anderen Jobs eignet sich die dritte Seite. Sie kann sich beispielsweise auf Projekte und Arbeiten in vergangenen Jobs beziehen.

Layout

Mehr als zwei bis drei Seiten sollte ein Lebenslauf bei einem Bewerber mit einigen Berufsjahren Erfahrung nicht umfassen. Das Layout sollte eine Schriftgröße von minimal Punkt zehn verwenden und genügend Weißraum lassen. Ob der Zeilenabstand ein- oder eineinhalbzeilig zu setzen ist, eine serifenlose Schrift oder Blockabsatz verwendet wird, hängt vom jeweiligen Design der Bewerbung ab. Wer sich auf einen kreativen Job bewirbt, bei dem Gestaltung eine Rolle spielt, sollte dies auch schon in der Bewerbung zeigen. Wer einen klaren, nüchternen Job anstrebt, kann auf verspieltes Design verzichten.

Inhalt

Es gibt Informationen, die gehören zwingend in den Lebenslauf, andere wiederum können hineingeschrieben werden, um das eigene Profil zu schärfen. Ein Muss sind neben den relevanten, persönlichen Daten die Informationen über Berufserfahrung, Qualifikation und Ausbildung sowie Angaben über die letzten Jobs: Firma, Position, Abteilung, Tätigkeit. Relevante Kann-Informationen sind Zusatzqualifikationen wie EDV-Kenntnisse, Sprachen oder besondere Führerscheine sowie Weiterbildungen. Über die Angabe des Familienstands oder die Religion herrscht Uneinigkeit. Für ledige Berufseinsteiger ist es nicht zwingend notwendig, anzugeben, ob man in einer Partnerschaft lebt. Eine Führungskraft mit Familie hingegen kann durchaus auf Pluspunkte hoffen, wenn er seine Familie erwähnt. Eine Frau mit kleinen Kindern hingegen könnte unter Umständen negative Auswirkungen erfahren, weil der potenzielle Arbeitgeber häufige Ausfälle erwarten könnte. Dann reicht es auch, den Familienstand auf Nachfrage oder spätestens sobald ein Arbeitsverhältnis vertraglich zustande kommt, mitzuteilen. 

Nicht unbedingt zwingend, aber durchaus positiv können sich Angaben über Bundeswehrzeiten, Zivildienste oder freiwillige Dienste auswirken. Uneinigkeit herrscht zudem über die Hobbys. Falls diese relevant für den Beruf sind und den Bewerber profilieren, können sie angegeben werden. Auf Hobbys wie "Freunde treffen" und "feiern" sollte aber eher verzichtet werden.

Belege

Alle wichtigen Angaben im Lebenslauf sollten mit Belegen untermauert werden: Schulabgangszeugnis, Diplomurkunde, Arbeitszeugnisse, Praktikumsbescheinigungen, gegebenenfalls Bescheinigungen über Fortbildungen. Rasch kann so natürlich ein Wust von Papieren entstehen, welche die meisten Personalabteilungen eher beschwert und zu Absageschreiben mit Sätzen wie "Zu unserer Entlastung senden wir Ihnen Ihre Unterlagen zurück ..." führen kann. Darum sollte man abwägen, welche Bescheinigungen wirklich sinnvoll sind und welche auf Wunsch nachgereicht werden können. Besonders pfiffig agiert, wer über eine Bewerbungshomepage für Entlastung sorgt.

Mehrwert im Netz

Eine Bewerbungshomepage rundet die perfekte Bewerbung ab, zeigt Engagement und hohe Kompetenz und peppt auch das leidliche Lebenslaufverfassen auf. Hier können alle zusätzlichen Informationen zu Person und Werdegang untergebracht werden, am Besten in einem Passwort geschützten Bereich. In der "analogen" Bewerbung auf Papier oder der Online-Bewerbung als E-Mail sollte der Link angegeben werden, unter dem weitere Informationen zu finden sind. Das Passwort sollte der Bewerbung beiliegen. Der geschützte Bereich lässt sich hervorragend für besonders sensible Daten wie Zeugnisse und Bescheinigungen verwenden.

Lücken im Lebenslaufleben

Die Optik stimmt und auch der Inhalt, nur leider das perfekte Lebenslaufleben nicht? Hier ist ein Paradigmenwechsel angesagt, der sich zunehmend auch bei den schärfsten Personalern durchsetzt. Natürlich sollte eine Chronologie lückenlos sein – das heißt jedoch nicht, dass Bewerber niemals arbeitslos gewesen sein dürfen. Familienphasen und Bewerbungsphasen, Orientierungszeiten und Freiräume sollten auch als solche benannt werden – jedoch aktiv. Solange jede Erwerbsunterbrechung gut begründet ist, kann die Leerstelle sogar dazu beitragen, den Bewerber positiv zu profilieren. Eine Orientierungszeit im Ausland zeigt Flexibilität und Internationalität, eine Familienphase spricht dafür, dass soziale Kompetenzen und auch Organisationsgeschick trainiert wurde. Wer länger arbeitslos war, hat sich möglicherweise fortgebildet – auch diese Aspekte sollten unterstrichen werden. Generell gilt: Wer offen, selbstbewusst und aktiv mit Leerstellen im Lebenslauf umgeht, hat bessere Chancen. Gelogen werden sollte auf keinen Fall.

Schönen oder nicht?

Und was ist mit dem wahren Stand der Fremdsprachenkenntnisse? Sie sollten weitgehend wahrheitsgemäß eingeschätzt werden und können idealerweise mit einem entsprechenden Zertifikat wie TOEFL-Test oder IELTS-Test belegt werden. Wer Muttersprachler-Niveau angibt, aber lediglich nach dem Weg in einer Fremdsprache fragen kann, lügt. In manchen Bewerbungsprozessen wird das Fremdsprachenniveau getestet, manchmal fragt nur der künftige Chef in spe und manchmal wird gar nicht geprüft, ob das angegebene native-speaker-Niveau in Suaheli tatsächlich der Wahrheit entspricht. Peinlich wird es spätestens dann, wenn es im Job gefragt, aber nicht beherrscht wird. Das Niveau wird gemeinhin in den Abstufungen: Muttersprache, fließend in Wort und Schrift sowie Grundkenntnisse angegeben.

Das Foto

Der Anti-Diskriminierung sei Dank ist das Foto nicht mehr Pflicht. Jedoch wollen die meisten Personaler schon einen ersten Eindruck vom Bewerber haben und die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch erhöhen sich in der Regel, wenn man dem aussagekräftigen Lebenslauf auch ein Foto beifügt und zwar ein aktuelles. Der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Manche Fotostudios machen zumeist eine ganze Fotoserie vom Bewerber und bieten die unterschiedlichsten Formate an. Wer sich beispielsweise in einer kreativen Branche mit einer schmalen 16:9-Optik präsentiert, kann schon einmal die Aufmerksamkeit im Bewerbungsstapel auf sich lenken.

Checkliste

Ganz zum Schluss sollte sich das Augenmerk auf mögliche Fehler lenken: Sind alle Daten korrekt, fehlen Datum, Ort und Unterschrift auch nicht? Ist alles gut leserlich und verständlich – und hat der Lebenslauf auch keine Rechtschreib- und Grammatikfehler? Und schließlich ausdrucken, idealerweise auf Qualitätspapier oder als pdf-Datei ausspielen und der Bewerbung hinzufügen.

Quelle: ZEIT ONLINE

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