Wirtschaft : Bieterverfahren für Kirch verzögert sich

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München (nad). Das Bieterverfahren für das insolvente Medienunternehmen Kirch Media wird sich höchstwahrscheinlich verzögern. Die Commerzbank erklärte, angesichts der Datenmasse könne sie bis zum August wahrscheinlich kein Angebot abgeben. Ursprünglich sollte am 1. August die Entscheidung darüber fallen, mit welchen Bietern die Kirch-Insolvenzverwalter über den Kauf von Kirch Media in Verhandlungen treten wollen.

Commerzbank-Kreditvorstand Wolfgang Hartmann sagte, dass die Bank und ihr Partner im Bieterkonsortium, das Filmstudio Columbia Tristar, noch mitten in der Prüfung des Unternehmens steckten. Angesichts der bisher vorliegenden Daten sei es jedoch unwahrscheinlich, dass bis zum Monatsende ein Angebot eingereicht werden könne. Hartmann glaubt, dass andere Interessenten dasselbe Problem haben. Der Pressesprecher des Bauer-Verlages, Andreas Fritzenkötter, hält eine abschließende Bewertung von Kirch Media in der verbleibenden Zeit für „nicht realistisch." Der Bauer-Verlag bildet beim Bieterverfahren um Kirch Media ein Konsortium mit dem Axel Springer Verlag.

Auch andere Bietergruppen hatten sich bereits über die Bedingungen bei der Prüfung des verflochtenen Konzerns mit seiner Vielzahl von Tochterfirmen beklagt. Das Bankhaus UBS Warburg, das die Versteigerung von Kirch Media leitet, hatte den Interessenten ursprünglich nur jeweils zehn Tage Zeit zur Prüfung einräumen wollen.

Neben den Konsortien von Commerzbank/Columbia Tristar und Springer/Bauer interessieren sich für einen Kauf von Kirch Media auch der US-Medienkonzern Viacom, der französische TV-Sender TF1, der amerikanische Milliardär und Filmproduzent Haim Saban sowie die Altgesellschafter Lehman Brothers, News Corporation und Mediaset.

Kirch-Sprecher Hartmut Schultz sagte, er gehe davon aus, dass das Bieterverfahren im August beginne. Nach bisherigen Informationen liegen die Preisvorstellungen der Interessenten für Kirch Media bei 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat jedoch Schulden von mehr als vier Milliarden Euro.

Fortschritte gibt es unterdessen bei den Gläubigerbanken von Kirch. Die Bayerische Landesbank, Lehman Brothers und JP Morgan wollen bis Ende August ihre Kredite in Eigentum umwandeln und die 75-prozentige Kirch-Gesellschafterrolle an der Formel 1-Holding SLEC selbst übernehmen. Dazu wollen sie zunächst sechs von acht Direktorenpositionen der SLEC besetzen. Die drei Banken hatten Kirch für seinen Einstieg in die Formel 1 einen Kredit über insgesamt 1,6 Milliarden Dollar gewährt.

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