Bieterwettstreit : Boeing denkt an Rückzug

Punktsieg für EADS: Im Bieterstreit um Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe hat Boeing mehr Zeit gefordert und angekündigt, sich andernfalls aus dem Rennen zurückzuziehen. Das Pentagon ist nun in einer Zwickmühle.

Boeing
Boeing-Tankflugzeug: Beim Auftanken eines B2-Bombers in der Luft. -Foto: dpa

WashingtonDer EADS-Rivale Boeing will im Wettstreit um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe mehr Zeit bekommen oder sich womöglich aus dem Rennen zurückziehen. Da das Pentagon in der überarbeiteten Ausschreibung seine Anforderungen verändert habe, benötige Boeing weitere sechs Monate, sagte Konzernsprecher Dan Beck. "Wenn wir nicht ausreichend Zeit bekommen, den Vorschlag auszuarbeiten, gibt es für uns wenig andere Optionen, als kein Angebot abzugeben." Die bislang vom Pentagon gesetzte Frist läuft in etwa zwei Monaten aus. Ohne ein Angebot von Boeing dürfte der 35-Milliarden-Dollar-Auftrag an den europäischen Konkurrenten EADS fallen.

Ursprünglich war der Auftrag für 179 Tankflugzeuge im Wert von rund 40 Milliarden Dollar (27 Mrd Euro) Ende Februar bereits an EADS und dessen US-Partner Northrop Grumman gegangen. Boeing hatte den Zuschlag erfolgreich angefochten und eine Neuausschreibung erzwungen. Diese macht nun aber zum entscheidenden Kriterium, wie viel Sprit das Flugzeug transportieren kann. Boeing sieht sich im Nachteil, weil das bisher offerierte Modell auf Basis seiner 767-Reihe kleiner ist als die EADS-Variante eines Airbus A330. EADS und Northrop Grumman haben Boeings Wunsch nach mehr Zeit bisher stets kritisiert und die knappe Frist begrüßt. Sie sehen keine grundsätzlich veränderten Anforderungen der Neuausschreibung.

Keine Fristverlängerung von Seiten des Pentagon

Das Pentagon ist durch Boeings Rückzugsdrohung Branchenbeobachtern zufolge in einer Zwickmühle. Ein Ausstieg wäre nicht nur politisch, sondern auch finanziell ungünstig. EADS könnte als einziger Anbieter mehr Geld verlangen als bei einem Preiskampf. Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, dass das Verteidigungsministerium jedoch nicht zur Verlängerung der Frist bereit sei. Es wolle lediglich 15 Tage extra gewähren.

Ein endgültiger Zuschlag für EADS wäre ein Durchbruch auf dem bisher weitgehend abgeschotteten US-Rüstungsmarkt. Der Anbieterstreit ist ein großes Thema im US-Wahlkampf. Boeing könnte die Entscheidung bis 2009 verzögern wollen, wenn eine neue Regierung im Amt sein wird.

Die gegenwärtige Tankflugzeug-Flotte vom Typ KC-135 ist rund 50 Jahre alt. Boeing könnte als Alternative zum bisherigen Angebot eine größere 767-Variante anbieten oder auf die 777-Reihe umsteigen. Ein weiteres Entscheidungskriterium der Air Force sind neben der Größe die Gesamtkosten der Maschinen über die komplette Einsatzzeit hinweg. Hier sehen einige Experten EADS bisher leicht im Hintertreffen. (nis/dpa/AFP)

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