Bilanz : Porsche steigert Gewinn – um 434 Prozent

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche kann sich über dicke Gewinne freuen. Doch nicht ein enormer Anstieg an verkauften Autos brachte das Erfolgsergebnis, sondern der Handel mit VW-Aktien im Oktober 2008 spülte Geld in die Kassen.

BerlinFür manchen Anleger war es der wohl schönste goldene Oktober aller Zeiten: Der Kurs der Volkswagen-Aktie kletterte von rund 240 Euro binnen weniger Tage immer höher, immer schneller. Am Dienstag, den 21. Oktober 2008, eine halbe Stunde nach Handelsstart, erreichte VW den Rekordwert von 1005 Euro. Jeder Kleinaktionär konnte damals kräftig Kasse machen. Am meisten aber verdiente der Großaktionär des Wolfsburger Autobauers: Porsche. Der hatte damals die Märkte mit der Ansage überrascht, sich bereits 70 Prozent der VW-Aktien zu einem festen Kurs gesichert zu haben. Spekulanten, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten sich bei dem verknappten Angebot um jeden Preis eindecken. Das trieb den Kurs, da verkaufte Porsche wieder.

Jetzt wurde deutlich, wie sehr der Stuttgarter Sportwagenbauer von diesem einmaligen Sondereffekt profitierte: Am Dienstag legte Porsche die Zahlen für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres vor – also für die Monate August 2008 bis Januar 2009: Das Ergebnis vor Steuern stieg mitten in der Krise auf 7,34 Milliarden Euro nach 1,66 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Überschuss verbesserte sich von 1,29 auf 5,61 Milliarden Euro. Das entspricht einem Gewinnwachstum von 434 Prozent. Zugleich sank der Umsatz um 12,8 Prozent auf 3,04 Milliarden Euro.

Porsche steckt trotz Erfolgsbilanz in der Krise

Der Posten Aktienoptionsgeschäfte, unter dem Porsche die VW-Spielerei verbucht, stieg von 850 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2007/08 auf jetzt 6,84 Milliarden Euro. Dass der Gewinn höher ausfällt als der Umsatz ist für einen Autobauer höchst ungewöhnlich und sorgte auch am Dienstag für Spott: „Letzten Endes ist Porsche ja nur noch eine Finanzholding. Autos spielen da ja nicht mehr so die Rolle“, frotzelte Equinet-Analyst Thomas Nagel.

Doch bevor an Porsche das Image einer Heuschrecke haften bleibt, landet der Autobauer wieder auf den Boden der Tatsachen. Der Absatz brach in diesem finanziell sehr erfolgreichen Halbjahr um 26,7 Prozent auf 34 266 Fahrzeuge ein. Auch Porsche steckt also in der Krise. Eine konkrete Prognose wagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nicht, rechnet für das Gesamtjahr aber mit sinkenden Verkäufen und Erlösen. Er machte zudem darauf aufmerksam, dass es sich negativ auf den Porsche-Konzern auswirken wird, sollte der Kurs der VW-Aktie weiter sinken. Der Kurs der Porsche-Vorzugsaktie fiel am Dienstag um 4,5 Prozent auf 35,38 Euro.

Porsche muss also doch weiter Autos verkaufen: Der Absatzkrise wolle der Hersteller mit neuen Fahrzeugmodellen, die einen geringeren Kraftstoffverbrauch haben, entgegenwirken. Allerdings fielen in der Bilanz die Entwicklungskosten für das neue Modell Panamera und den Hybridantrieb des Cayenne stärker zu Buche als geplant.

Produktionsdrosselung soll teilweise zurückgenommen werden

Porsche hält seit Januar rund 51 Prozent der VW-Aktien und will den Anteil in diesem Jahr auf 75 Prozent erhöhen. Dazu hatte sich das Unternehmen vor wenigen Tagen eine neue Kreditlinie in Höhe von zehn Milliarden Euro gesichert, mit der ein bestehendes Darlehen in gleicher Höhe abgelöst wurde. Das Unternehmen sicherte sich weitere bis zu 2,5 Milliarden Euro bei den Banken.

Der Autobauer will zudem einen Teil seiner Produktionsdrosselung wieder zurücknehmen. Auf der Hauptversammlung im Januar hatte das Unternehmen einen weiteren Produktionsstopp für das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen von 19 Tagen bis zu den Sommerferien angekündigt. Davon wurden nun sechs wieder gestrichen, hieß es. (kph)

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